Auch ich reflektiere ein bisschen über meine Erkenntnisse und unsere Erlebnisse und möchte ein paar Gedanken festhalten.
- ich habe gelernt, dass ich nie auf einer kleinen Insel leben könnte. So wie Koh Samet in Thailand oder Koh Rong in Kambodscha. Mir ist das zu eng, zu beschränkt, zu wenig Platz irgendwie. Lustigerweise waren die Auswanderer die wir auf diesen Inseln kennengelernt haben, auch alle von kleinen britischen Inseln. Also es scheint, als würde es Inselbewohner die auf kleinen Inseln aufwachsen – auch wieder auf solche Miniinseln ziehen.
- rasieren, schminken, Nagellack, usw. ist für mich nicht notwendig um glücklich zu sein und mich wohlzufühlen. Das klingt vielleicht komisch, aber das ist tatsächlich eine große Erkenntnis für mich, da ich doch immer auf mein Äußeres achte und es einfach gewohnt bin. Ich muss aber auch dazu sagen, das Gefühl nach einer längeren Pause mich wieder zu schminken, meine Haare zu waschen und zu entfilzen und gut duftend mich hübsch zu machen, ist dann doppelt so schön!
- eine große und wichtige Erkenntnis für mich ist, dass ich unbedingt mehr auf meine innere Stimme hören muss. Meinem Gefühl zu vertrauen und nicht zu hart zu mir selber zu sein. Ich hab öfter mit Entscheidungen gehadert, weil ich mir ja vor Monaten diesen Plan ausgedacht habe, und den dann zu ändern, war für mich oft nicht so leicht. Aber ich darf das. Ich darf etwas uncool finden, ich darf mich nicht wohl fühlen und ich darf auf mein Gefühl vertrauen. Ohne, dass ich mich dafür selbst verurteile oder jemand anderes das tut. Und wenn mich jemand dafür verurteilt oder das nicht versteht, dann muss es mir am A**** vorbei gehen.
- Silvercream hilft gegen alles! Die Salbe, die ich in Nepal für meine Verbrennung bekommen hab, haben wir auf alle möglichen Wehwehchen geschmiert und sie hat jedesmal Wunder bewirkt.
- Tourismus macht schöne Plätze kaputt. Egal ob der Phewa Lake in Nepal, die Korallen in Kambodscha oder Arambol in Goa. Wir waren oft an Plätzen, an denen man merkt wie der Tourismus zerstören kann. Das tat weh. Und lässt mich auch meinen Beruf (Reisebüro Travel Agent) überdenken. Auch der Zyklon… diese Naturkatastrophen kommen ja von uns Menschen. Das viele Flugzeug fliegen… auch wenn natürlich alles Vor- und Nachteile hat… bringt es mich zum Nachdenken.
- 3 Monate aus einem Rucksack zu leben, hat mir gezeigt wie wenig ich tatsächlich brauche. Ich hab sogar ein Kleid mit, dass ich nur einmal anhatte. Komplette Platzverschwendung. Im Endeffekt komme ich mit 2 kurzen Hosen und einer langen und vielleicht 3 Shirts aus. Weniger ist mehr! Ich hab mich auch von einigen Dingen getrennt während unserer Reise, zum Beispiel von meinem Tablet, das ich zum Blogschreiben mit hatte, aber einfach zu langsam dafür war. Seit dem dritten Eintrag, schreib ich die Blogs nun am Handy. Und Ben auf Koh Rong hat sich über das Tablet gefreut und findet dafür Verwendung. Und für uns sprang eine Runde gratis Cocktails raus! Ein guter Tausch.
- ich brauche viel Zeit für mich. Leute die mich kennen, finden diese Aussage wahrscheinlich komisch. Weil ich immer gerne unter Leuten bin, ungern bzw. selten alleine und immer irgendwie die Action suche. Aber ich brauche auch die Ruhe und Zeit für mich. Die Tage an denen wir viel Zeit für uns selbst hatten, Zeit zum Nachdenken und für Inspiration, Zeit zum Lesen und einfach nur dasitzen, tat mir immer soooo gut!! Gerade auf so einem Abenteuerurlaub, wo immer so viel passiert und immer viel los ist, tun diese Breaks wahnsinnig gut.
- ich schätze unsere Heimat nun auch um einiges mehr als davor. Auch wenn wir natürlich wissen, dass wir nun in eine türkis-blaue Regierung heimkommen werden. Die Rechten nun ganz offiziell ihre Spielchen spielen und uns ziemlich viel Sch*** einbrocken… ich freue mich trotzdem auf unser reiches Österreich, wo Trinkwasser aus der Leitung kommt und ich das Klopapier beim Klo runterspülen kann. Ganz einfache Dinge, die wir seit 3 Monaten nicht haben. Müllabfuhr, kompetente Ärzte und gute medizinische Versorgung. Keine täglichen Stromausfälle mehr.. wir haben uns eigentlich schon total dran gewöhnt, dass einfach ständig der Stron weg ist. Im Normalfall auch garnicht so schlimm, nur einmal wars richtig blöd, als ich gerade am Bankomat Geld abheben war und in genau dem Moment wo das Geld rauskommen sollte, der Strom weg war.
- ich freue mich wahnsinnig auf die frische Luft!!! So richtig, gute, frische Luft hatten wir nur im Himalaya Gebirge. Ansonsten immer feucht, heiß, staubig, stickig, verschmutzt, Smog, stinking. Was wir für Dreck in unseren Nasen haben und immer verstopft…. da freuen wir uns wirklich auf die klare, gute, Österreichische Luft 🙂
- Englisch lernt man in Asien nicht. Auch wenn wir nun seit 3 Monaten täglich Englisch sprechen, wirklich verbessert hab ich mich nicht. Wenn man immer mit Menschen spricht die selbst schlecht Englisch sprechen, bzw. starke Akzente haben, würd ich sogar sagen, dass sich mein Englisch von der Aussprache teilweise verschlechtert hat, weil man sich hier anpasst. Klar, ich bin voll in Übung, hab keine Scheu mehr, und bin selbstbewusster in meinem Englisch aber Vokabeln und Aussprache sind leider nicht wirklich verbessert.
- Ich hab gelernt, wie wichtig für mich gutes Essen ist. Wir haben so oft, keine Möglichkeit gehabt etwas frisches, leckeres zu Essen zu bekommen. Das hat mich oft ziemlich belastet. Wenn man sich vorm Essen ekelt, keine andere Wahl hat, …. Und umso besser gings mir wenn wir wirklich richtig geiles gesundes frisches Essen hatten. Auch wie wichtig Schlaf ist. Wir hatten sooo viele schlaflose Nächte und die Tage danach waren immer doppelt so fordernd. Grundbedürfnisse einfach.
- Die Kraft von Meer, Sturm, Gewitter und Natur so hautnahe spüren. Die tosenden Gewitter die die Erde beben ließen, die schreckliche Speedboatfahrt von Koh Rong ans Festland, die Ungewissheit und Angst vorm Zyklon in Südindien… teilweise ganz Nahe an gefährlichen Tieren sein (Tiger, Panther, Leopard, die Affenangriffe, die aggressive Büffelherde in Nepal, die kampflustigen Stiere in den Straßen Indiens)
- die Erkenntnis, nun ein halbes Jahr Auszeit von meinem normalen Leben genommen zu haben. Seit Juni bin ich nicht mehr in Linz und auf der Uni. Drei Monate verbrachte ich in Wildenhag. Auf den Bergen und an den Seen und ganz viel am Arbeiten. Und nun 3 Monate am Reisen durch Asien. Die Pause tut gut. Die Abwechslung ist aufregend und spannend, aber ich freu mich auch schon wieder auf meine Wohnung in Linz, auf die Uni, aufs Lernen und auf ein bisschen Ruhe und Routine.
