Barfuß im Sand

Jetzt ist es gerade ein bisschen ruhig um uns geworden, in der Blog-freien Zeit ist viel passiert. Viel Schönes, aber auch viel weniger Schönes. Aber von Beginn an: 

In der Nacht bevor wir auf die Insel Koh Rong (eins unserer Highlights von Kambodscha) gefahren sind, gabs ein meeeega Gewitter. Sooo lauter Donner, als würde die Welt untergehen. Am nächsten morgen erfahren wir, dass das die Ausläufer von dem schlimmen Sturm sind der Anfang November Vietnam verwüstet hat und bei dem 30 Menschen starben. Jetzt am Vormittag ist aber wieder alles ruhig und die Speedbootfahrt nach Koh Rong kann ohne Probleme stattfinden. 

Die Fahrt war super ruhig und angenehm, außer bisschen Magenausheben und kaltem Wind der uns frösteln ließ, verlief alles ziemlich gechillt. Wir waren echt überrascht, da wir von Freunden schon viele Horrorgeschichten von der Fahrt erzählt bekommen haben. 

Angekommen auf der Trauminsel regnets. Aber das stört uns kein bisschen. Koh Rong ist die größte Insel Kambodschas, es gibt keine Bankomaten hier und es  werden auch keine Kreditkarten akzeptiert, also mussten wir uns am Festland noch mit Geld, Tschick und billigen Alkohol eindecken, es gibt auch keine Straßen, sprich auch keine Autos und Tuktuks, vieles ist noch sehr naturbelassen, einsame Strände, kristallklares Meer, Dschungel, und ganz viele junge Partypeople. 

Wir wohnen in urigen Bungalows direkt am Strand. Ein Traum. 


In den ersten zwei Nächten erleben wir wieder schaurige Gewitter. Der Donner ist sooo laut, dass es in den Ohren kracht. Viel lauter als die Gewitter Zuhause. Die Donnerschläge sind so mächtig, dass die Erde zittert. Da wackelt das ganze Bungalow. Für Gewitterliebhaber wie Martin und Laurent ein Wahnsinnserlebnis! Für Gewitterangsthasen wie mich, schrecklich!!! Mein Herz pocht und ich mach mir fast in die Hose! Wir lenken uns ab mit Drinks, guter Musik und Schachspielen. Der Manager der Bungalow Anlage ist ein super lieber Israeli: Ben. Er behandelt uns wie Special Guests, wir dürfen unseren mitgebrachten Alk hier in seiner Bar trinken, kriegen regelmäßig Drinks aufs Haus, dürfen die Musik bestimmen und die Jungs probieren stundenlang ihn im Schach zu schlagen (ohne Erfolg). 

Am nächsten Morgen ist endlich wieder die Sonne da und wir genießen den Tag an diesem wunderschönen Strand, direkt vorm Bungalow! 


Tanja geht’s leider garnicht gut. Die „Koh Rong Flu“ hat sie erwischt. Kotzen, Durchfall, Gliederschmerzen… und dann auch noch einen bösen Sonnenbrand. Die arme Maus verbrachte die meiste Zeit auf der Insel im klimatisierten Bungalow. Wir lesen in der Zeitung, dass gerade zwei Backpacker Mädels in Kambodscha gestorben sind, nachdem sie wegen Durchfall Medizin aus der lokalen Apotheke genommen haben. Also keine lokale Medizin! Unsere mitgebrachten Schmerztabletten, Immodium, Copaibaöl, und eine Fastenkur muss reichen um wieder zu gesunden. 

Mitte der Woche machen wir mal getrennt was. Auch wenn es super schön ist alle sechs zusammen zu sein… Reisen in solche Länder bringt jeden zum Nachdenken und da schaden ein paar Stunden mal alleine sein oder zu zweit zum Gedankenteilen nicht. Isi macht eine anstrengende Wanderung durch den Dschungel zu einem einsamen Traumstrand. 

Lustige Schilder am Weg. 

Martin und ich machen einen Spaziergang durch den Dschungel zu den anderen Stränden an unserer Küste. 

Wir sprechen viel über die Zukunft. Ich weiß einfach nicht was ich nach der Uni machen soll. Master ja oder nein? Welchen? Linz, Wien oder Graz? Oder doch zurück zum Attersee? Oder doch Arbeiten? Zurück in die Reisebranche? Oder ganz was anderes? Ich kann mir irgendwie sooo viel vorstellen und irgendwie dann wieder garnichts. Das stresst mich so. Ich hab das Gefühl als müsste ich auf dieser Reise die Erleuchtung bekommen. Aber eigentlich hab ich ja eh noch ein ganzes Jahr bis zum Bachelor. Ich merk ich bin irgendwie grad garnicht in meiner Mitte. Gedanklich in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Den jetzigen Moment genießen: ganz schwer. Vielleicht ist das weil grad die Freunde von Zuhause da sind, dass ich so viel an Zuhause denken muss. 

Laurent und Adrian liefern sich ein Schachduell nach dem anderen. 

Wir verbringen die Tage auf der Insel mit baden, Massage, essen, Drinks und Billiard. 

Zweimal werden wir von Affen angegriffen. Die springen zu uns auf den Balkon, klauen alles was sie in die Finger bekommen und wenn man sie verscheuchen will, machen sie sich groß und hauen mit den Fäusten auf den Tisch, kommen immer näher, schauen dir genau in die Augen und knurren und fauchen. Also Flucht ist hier die beste Verteidigung.


 Wir werden beschützt von den drei Hunden der Bungalow Anlage: „Beppo“, „Tanya“ und „Big Balls“ – sobald sie Affen sehen, verscheuchen sie die kleinen Frechsachse und legen sich zu uns und halten Wache. 

Abends steht dann ein weiteres Highlight an: Fullmoon Party am Strand! 

Wir verbringen eine zauberhafte Nacht, tanzen, gwatschen mit ganz vielen anderen Travellern über unsere Reisen, Erfahrungen, Leben und Lieben. 

Adrian stürzt am Strand über einen Stein, schlägt einen Salto und verletzt sich am Fuß, Hüfte, Arme und Beinen. Blut und Schmerzen. Das wars jetzt mit Baden für ihn. 

Laurent und ich erleben magische Stunden in der Nacht im Meer. Wir gehen im Dunklen baden und rund um uns glitzert ganz viel floureszierendes Plankton! Wie kleine Glühwürmchen im Wasser! Vom Strand hören wir die Musik und das Lachen der Party… am finsteren Horizont sehen wir Wetterleuchten und rund um uns das glitzernde Plankton. Dieses Erlebnis kommt aufjedenfall in die Top 3 Highlights unserer großen Reise.  

Aber auch wir merken am nächsten Tag, dass wir uns Knie und Füße aufgeschürft haben. Ganz schön viel Verletzungen in letzter Zeit. Martin und ich beim Mopedfahren. Alle auf der Party. Laurent rutschte mal im Nassen auf einer steilen Stufe aus und schürfte sich den Oberarm auf. Isi stürzte zweimal bei ihrem Dschungel Abenteuer und unsere Tanjamaus musste so viel leiden mit Durchfall und Kotzerei. 

Tanja wird um 5 Uhr morgens munter und schaut auch noch auf der Party vorbei! So schön, dass sie zumindest kurz dabei sein konnte und den Sonnenaufgang miterlebt hat! 

Am nächsten Tag lecken wir unsere Wunden und erholen uns von einem starken Kater. Aber alle sind wir uns einig: ES HAT SICH GELOHNT! 


Am letzten Tag starten wir noch eine große Tattoosession. Martin lässt sich sein Oberarmtattoo in 4.5 Stunden fertig machen, die Hardsau! 


Am nächsten morgen verabschieden wir uns von Ben und den Hunden, um 15 Uhr geht unser Speedboot zurück zum Festland und da wartet unser Nachtbus zurück nach Siam Reap. 

Am Hafen erfahren wir, dass heute keine Boote starten konnten weil durch den Wind so große Wellen waren. Die Polizei hat eine Abfahrtssperre ausgesprochen. Aber unser 3 Uhr Speedboot kommt…. nur halt verspätet. Wann? Das weiß keiner. Wir warten Stunden und keiner kann uns sagen wann und ob das Boot kommt. Die Locals erzählen alle was anderes. Der Typ von der Speedboat Firma ist so stoned das er kein Englisch mehr kann und zuckt nur mit den Schultern. 

Stunden später kommt dann endlich ein Boot! Juhu! Als wir einsteigen, trifft uns fast der Schlag. Das Boot ist komplett überfüllt, keine Sitzplätze mehr frei. Wir quetschen uns noch stehend dazu aber das kommt uns alles sehr gefährlich vor. Schwimmwesten? Fehlanzeige! 

Wir fahren zu einem weiteren Hafen, an dem angeblich Leute aussteigen. Das Boot wackelt und schwankt – im Fullspeed Modus schießt es uns in die Luft und mit einem festen Schlag wieder auf den Boden. Hölle! Die ganzen Leute schreien, wir kriegen kaum Luft. Die Szene erinnert an die Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Beim nächsten Stop steigen zwar echt ein paar aus, aber doppelt so viel ein. Ich und Isi haben uns einen Sitzplatz in der ersten Reihe geschnappt und an uns drengen sich immer mehr Leute rein ins Boot, mittlerweile wird es schon dunkel. Immer mehr Leute. Keine Luft. Man hört Menschen schreien: „Thats dangerous“ „too many people“ „you cant do that!“ Der Crew ist das offensichtlich scheiß egal. Ich bekomm eine Panikattacke. Mir wird so schwindelig, krieg keine Luft mehr, mir wird total schlecht und meine Hände werden so taub, dass ich sie nicht mehr spüre. Herzklopfen. Schwindel. Herzklopfen. Das Boot startet wieder und wir fetzen durch die riesigen Wellen durch die finstere Nacht. Wasser spritzt auf uns, unsere Rucksäcke an Deck sind mittlerweile schon klatschnass. Isi und ich krallen uns aneinander fest. Alle paar Sekunden fliegen wir über eine Welle in der es unsere Körper aus den Sitzen hebt und wieder mit voller Wucht wieder zurück und wieder rauf und wieder runter. Alles tut uns schon weh… ich spür meine Hände nicht…. Wir haben wirklich Todesangst. Wie oft muss ich auf dieser Reise noch an meine Grenzen gehn?? Das Boot ist ständig in Schieflage und ich versuch mit voller Kraft nicht dran zu denken, dass wir uns hier überschlagen. Wir können zwar schwimmen aber auf offenen Meer ohne Schwimmweste bei den großen Wellen… haben wir wahrscheinlich alle keine Chance. Isi und ich krallen uns aneinander, schreien und schluchzen. Meine Gedanken: wir schaffen das. wir schaffen das. Es ist komplett finster. Irgendjemand holt sein Handy raus, der Kapitän schreit: lights off! lights off! i cant see!!! 

Hinter uns sagt ein Typ er sieht Lichter. Es kann nicht mehr lange sein. „if the boat doesnt break“. 

Nach 1.5 Stunden Todesangst erreichen wir tatsächlich das Festland. Der Motor stoppt. Alle Klatschen und Jubeln. Isi und ich sind der Ohnmacht nahe. Wir haben es überlebt!!!! 

5 Kommentare zu „Barfuß im Sand“

  1. Liebe Linn, die Beschreibung Eurer Erlebnisse ist echt faszinierend. Wunderschöne Fotos von der Natur und von Euch.
    Aber wie kommt es, dass sich so viele Leute auf so eine gefährliche Bootsfahrt einlassen – ohne Schwimmwesten????
    Der Vergleich mit Flüchtlingsbooten ist sicher zutreffend, aber diese Leute sind in einer ganz anderen Situation.
    Gut, dass alles gut ging!!!

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    1. Natürlich vergleiche ich die Fahrt nicht mit der Fahrt in einer Nussschale übers Mittelmeer. Klar, ist das ganz was anderes!!Nur das Bild, als immer mehr und mehr Leute aufs Boot sind hat mich an die Bilder erinnert die ich aus TV und Zeitung kenne und eine Sekunde lang konnte ich mich reinfühlen wie schrecklich das sein muss für die Menschen, für die so eine Fahrt mit dem verbundenen Risiko der letzte Ausweg ist.

      Wir mussten unseren Bus erwischen, dass war das einzige Boot das an diesem Tag ging. Der Bus war gebucht und bezahlt… außerdem müssen wir auch unsere Flüge erwischen… also es hing für uns einiges dran an dieser Fahrt. Und so gings allen im Boot. Jeder musste Flug, Bus, etc. erreichen… außerdem wurde uns ja versprochen, dass bald viele aussteigen werden… und wenn du dann mal auf See bist, gibts auch kein Zurück mehr.

      Aber alles gut – wir habens überstanden!! 🙂 und sind so halbwegs fresh und funky in siam reap.

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  2. Liebe Linn,
    schreib am Anfang deiner Schilderungen bitte Warnungen, wie z.B. nicht vor dem Einschlafen lesen, kann Alpträume bewirken.

    Ich bin echt froh dass du das noch geschrieben hast und freue mich schon auf die nächste Geschichte.

    Liebe Grüße

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  3. Hallo ihr Lieben,
    die Insel sieht ja wirklich traumhaft aus und die Bungalows auch richtig gemütlich und chillg. Die arme Tanja tut mir so leid, dass sie krank war und die Tage nicht wirklich genießen konnte, aber gut, dass es ihr wieder besser geht 👍.
    Martin sein Tatoo sieht , auch wenn ich nicht unbedingt davon begeistert bin, wirklich cool aus 😜. Dann auch noch 4,5 Stunden durchhalten , Respekt 👍.
    Bin froh, dass ihr die Bootsfahrt gut überstanden habt, ohne Schwimmwesten, ist echt der Wahnsinn und das noch bei so stürmischer See, wirklich unverantwortlich 🙈
    Bussal Sieglinde

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