DANKBARKEIT

 

Ich bin so dankbar, in Europa, in einem der reichsten Länder der Welt, geboren zu sein. In einem Land, in dem es sauberes Trinkwasser gibt. Sogar unsere Seen haben Trinkwasserqualität. Ich bin dankbar für mein warmes und sauberes Zuhause. Immer Strom und fließend Wasser zu haben. Die Möglichkeit IMMER frische, gesunde Lebensmittel zu erhalten.
Ich bin dankbar, dass ich so wundervolle Eltern habe. Die mir Wurzeln und Flügel mitgegeben haben. Wurzeln, die mich am Boden halten. Die mir Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Und Flügel, die mir Mut geben, die mir Kraft und Inspiration verleihen, Dinge auszuprobieren.

Ich bin dankbar, so tolle Geschwister zu haben. Mit denen mich immer ein unsichtbares Band verbindet. Egal wie weit wir voneinander getrennt sind oder gerade im Streit sind. Diese tiefe Liebe verbindet uns IMMER.

Ich bin dankbar, dass ich mir meinen Partner selber aussuchen darf. Das ich selbst entscheiden kann, mit wem ich meine Zeit verbringen will, mit wem ich eine Beziehung eingehen will und wen ich heiraten will. Und ob ich das überhaupt alles will. Ich kann entscheiden und keiner kann mich zu etwas anderen zwingen.

Ich bin dankbar, dass mir alle Möglichkeiten einer guten Bildung offen stehen. Ich mir meinen Beruf selber aussuchen kann und diese Entscheidung immer wieder ändern kann.  Ich kann ALLES schaffen, wenn ich es wirklich will. Weil mir die ganze Welt offen steht. Und das nur weil ich in einem so reichen Land geboren bin. Oft hat mich diese riesige Auswahl an Möglichkeiten in Europa schon gestört, weil es einfach schwierig ist sich zu entscheiden, wenn es so viele Möglichkeiten gibt. Jetzt seh ich es wieder anders. Lieber zu viele Möglichkeiten als garkeine.

Ich bin dankbar, dass ich so viele so wunderbare Freunde und so eine liebevolle Großfamilie habe. Mit denen ich immer eine ganz starke Connection habe. Wir uns füreinander interessieren, uns unterstützen und füreinander da sind. Verständnis haben und uns in schwierigen Zeiten Beistand leisten.

Ich bin dankbar, dass ich in brenzlichen Situationen, in denen ich mich nicht gut fühle, die Möglichkeit habe NEIN zu sagen, den Plan ändern kann, fliehen kann.

Ich bin dankbar, in Österreich als Frau respektiert zu werden. Kein Mensch 2. Klasse zu sein. Mich anziehen kann, wie ich will. Mit Respekt behandelt zu werden, eine Stimme zu haben. Das ist leider nicht selbstverständlich.

Diese Dinge waren mir vorher auch bewusst. Aber jetzt spüre ich diese Dankbarkeit in jeder Faser meines Körpers. Ich habe Glück. Unsagbares Glück. Und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.

 

P.S.: Wir sind gut und sicher in Bangkok angekommen. Es ist soo herrlich hier.

Die letzten Erfahrungen werden wohl etwas Zeit brauchen um gut verarbeitet zu werden. Wenn es soweit ist, werd ich vielleicht noch mal ein paar Zeilen Reflexion dazu schreiben.

Aber jetzt: aufpeppeln, erholen, genießen, dankbar sein.

Dem Elend ins Auge blicken

Unser Zug nach Gaya sollte um 5 Uhr morgens abfahren. 3 Uhr aufstehen. Wir können die ganze Nacht nicht wirklich schlafen weils so laut draußen ist. Um 3 check ich im Internet den Zug. 3 Std Verspätung. Also wieder ins Bett und dösen… jede Stunde aufs Handy schaun und die Homepage checken. Verspätung. Immer mehr. Um 9 entscheiden wir uns zum Bahnhof zu fahren. Dort angekommen warten wir noch 3 Stunden. Den richtigen Bahnsteig zu finden ist auch nicht leicht bei ständig verändernder Ankunftszeit und vorallem hab ich am Bahnhof kein Internet um selbst nach zu sehen.

Am Bahnhof weit und breit keine Touristen. Generell haben wir kaum Touristen in Varanasi gesehen. Hier am Bahnhof fallen wir natürlich wieder total auf. Die Menschen starren uns an. Die Inder hier haben grundsätzlich einen finsteren Blick drauf und den verändern sie auch nicht, wenn sie sich direkt vor dich hinstellen und dich mit verschenkten Armen anglotzen. Mich ganz besonders. Es stellen sich 10 Männer vor mich und starren mich an. Mit Blicken die ich fast nicht aushalten kann. Ich zieh mir bei 35 Grad meine Weste an. Vielleicht ist es ja die weisse Haut von der sie nicht die Augen lassen können. In solchen Momenten wünsche ich mir eine Burka her. Damit wäre ich Unsichtbar. Das wäre für mich ein sinnvoller Einsatz. Wenn ich in mein Buch sehe, lese und „abgelenkt aussehe“ kommen sie immer näher zum glotzen. Wenn ich aufsehe, gehen sie ein paar Schritte weg. Was das für Gefühle in mir auslöst…. ich kanns nicht beschreiben…Angst, Unbehagen, Mitleid? … dem Stand zu halten mit der ständigen Ungewissheit kommt der Zug, sind wir am richtigen Bahnsteig… ich muss mir mental so gut zu reden um nicht die Nerven zu verlieren. Als ich grad mein Frühstück esse, einen kleinen trockenen Muffin, kommt einer der vielen verkrüppelten Bettler zu mir und streckt die Hand aus. Ich geb ihm den Muffin. Eine Stunde später ein kleines, dreckiges, verfiltztes, fast nackiges Mädchen… streckt die Hand zu mir aus und deutet auf ihren Mund. Ich geb ihr unsere letzten Kekse. Das wars mit Frühstück für uns. Der Appetit ist uns eh vergangen.

Endlich kommt der Zug! Hoffentlich ist er auch wirklich der Richtige. Rein mit uns und auf unseren gebuchten Platz in der Sleeper Class (eine der günstigsten Klassen). 

Eigentlich ganz witzig da oben und aus dem offensichtlichen Blickfeld von den lüsternden Männern. Aber Laurent hat kaum Platz. Is halt für kleine Inder gemacht. Nach 4 Stunden Fahrt und bangen (Wo müssen wir aussteigen?? Wir haben ja nicht mal ein Fenster und Durchsagen gibt es auch keine. Die Leute rund um uns können entweder kein Englisch oder wissen auch  nicht wann Gaya kommt) schaffen wir es tatsächlich am richtigen Bahnhof vom Zug zu springen. Jetzt noch eine 30 minütige Tuktuk Fahrt nach Bodhgaya bzw in das Dorf in dem die Schule liegt. Der Fahrer kann kein Englisch und erst nach 20 Minuten merken wir dass er offensichtlich nicht weiß wo unser Hostel und die Schule ist. Mit durchfragen schaffen wir’s letztendlich doch. Es ist schon fast dunkel und wir sind am Ende unserer Kräfte.

 Im Charityprojekt ist keiner anzutreffen. Der deutsche Gründer ist in Germany und der indische Kollege nicht da. Der Bruder des indischen Chefs kann auch kein Englisch aber bringt uns zumindest in unser Zimmer. Das Zimmer ist dreckig und abgefuckt. Im Klo das Durchfall vom Vorgänger, die Kissen gelb, fleckig mit Haaren drauf und im ganzen Zimmer riecht es nach Misthaufen. 

Wir machen uns nochmal zu Fuß auf den Weg ins Dorf um irgendwo etwas Essbares zu finden. Es gibt offensichtlich nur Streetfood mit so vielen Fliegen darauf, dass wir uns einfach nicht trauen dort was zu essen. Jetzt sind wir wirklich im wahrhaften Elend angekommen. Irgendwann finden wir was, dass sich „Restaurant“ nennt. Dort essen wir fettige Nudeln und Tomaten-Käse-Toast. Schmeckt eigentlich nicht aber der Hunger ist stärker. 

Das Dorf in dem wir hier sind, liegt in Bihar, das ist der ärmste Bundesstaat Indiens. 

Nachts können wir nicht schlafen. Sooo laut. Das hupen, die Musik, das Beten über die Lautsprecher…. und dann der Gestank dazu. Unser Zimmerfenster geht zum Kuhstall raus.

Am nächsten Morgen hab ich Durchfall. So schlimm dass ich nicht vom Klo wegkomm. Jetzt wirds Zeit für die Immodium. Hier in dem schmuddeligen dunklen Zimmer darf ich nicht bleiben, da verlier ich sonst echt die Nerven. Ich brauch Ablenkung. Also raus ins Dorf, die Tempel besichtigen. In Bodhgaya hatte Buddha seine Erleuchtung. Deshalb pilgern hier die Buddhisten alle her. Der Weg durch die Strassen ist wieder mit Elend, Dreck und finsteren Blicken mir gegenüber geprägt. „Durchhalten  Linn, Stark sein“ wird mein neues Mantra. 

In den Tempel dürfen wir nicht rein, weil hier auch ein Terroranschlag war und wir die Handys nicht mit rein nehmen dürfen. Also doch lieber „Restaurant“ suchen. Dort esse ich Plain Rice und trink einen Ingwertee. Renn 3x zwischendurch aufs Klo. Ach Gott wie mühsam… 😦 

Beim Weg zurück wird mir wahnsinnig schlecht. Die ganzen verschiedenen Gerüche, vom Rauch, verfaultem Obst, Kuhkacke, Kanal,  etc. machens auch nicht besser. Ich versuchs so lang wies geht auszuhalten und kotz letztendlich aufn Marktplatz. Ich kotz mir die Seele aus dem Leib. Jetzt ist echt mein Tiefpunkt. 

Zurück im Hostel reden Laurent und ich über das Erlebte. Ich bin so aufgelöst durch den Schlafmangel, die Magen-Darmbeschwerden… den ganzen Eindrücken. Mir kommen die Tränen. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich fühl mich so verloren. So unfrei. So schlecht. Ich seh keinen Ausweg. Wie soll ich das noch 2 Wochen aushalten? Laurent gehts körperlich gut und auch mental ist er stärker als ich. Aber ihm geht das Elend natürlich auch nahe. 

Ich schreib meiner Freundin Betti die meine Flüge verwaltet und frage ob umbuchen möglich ist. Ich muss hier weg. Ich schreibe meinen Eltern und frage nach Rat: Durchhalten oder Abhauen? Die Antwort: Definitiv Abhauen und besser sofort! Auch meiner besten Freundin klage ich mein Leid, ihre Antwort: Linn das ist eure Reise und eure Zeit, wieso wo bleiben wo man sich nicht wohlfühlt. Du bist ja frei.  Da kommen wieder die Tränen. Wie recht sie alle haben! Frei habe ich mich seit wir hier in Nordindien angekommen sind, keine Sekunde lang gefühlt. Also Betti sofort das Ok gegeben: bitte umbuchen!!! Die gute Seele hat alles in ihrer Macht stehende (und in unserem Budget liegende) gemacht und uns auf einen Flug in 5 Tagen umbuchen können. 5 unerträglich lange Tage. Aber besser als 15!!! 

Die letzten 5 Tage waren geprägt von Durchfall, Magenschmerzen, Nierenschmerzen, Übelkeit, nur Wasser und trockenen Toast intus. Kein Wasser, oft Stromausfall, Ratte, Grashüpfer, Käfer, Spinnen im Zimmer. Nachts draußen jaulende Revierkämpfe der Strassenhunde. Hab ich den Gestank schon erwähnt? 

Der Kuhlstall neben unserem Fenster

Die anderen paar Backpacker die es auch hier her verschlägt, bestätigen mich alle. So schlimm wie hier in Nordindien ist es nirgends. 

Carlos aus Ibiza ist seit einem Jahr mit dem Rad unterwegs. Von Spanien nach Australien. Der ist vielleicht cool drauf. Waren echt super interessante Gespräche mit ihm über Themen Kulturschock, seine durchreisten Länder und Heimweh. 

Auch ein Deutscher Auswanderer, der Zuhaus alles verkauft hat und seit einem Jahr durch Indien reist… sagt ihm zieht das Elend hier auch echt besonders runter. Auch mit ihm haben wir interessante Gespräche. Die finden zwar alle auf der Strasse am Boden statt, weil zum sitzen gibts hier garnix. Aber gut, hauptsache bisschen Kontakt und Möglichkeit sich auszutauschen. 

Die Schule 

Am letzten Tag gehts mir körperlich wieder halbwegs gut, zwar noch keine Energie, aber zumindest keine Schmerzen mehr. Endlich sehen wir mal die suuuuper süßen Kids hier!!! 

Die Schule ist ein Charity Projekt in dem die Ärmsten der Ärmsten Unterricht und eine warme Mahlzeit bekommen. Tolle Sache und die Kinderaugen lassen mich wieder strahlen. 

Am Nachmittag holen wir die Tempel Besichtigung nach. Shravan (der 13 jährige Bibliothek Aufseher) ist super süß und hat sich die letzten Tage mit uns angefreundet. Er fragt ob er mitkommen darf: Ja klar!! 

Buddhastatue 

Buddhistischer Tempel

Heute ist es nun soweit: Endlich können wir dieser Hölle entfliehen!!! Drückt uns die Daumen das alles klappt!!!! 

Unsere Verbündete: eine anhängliche Hündin.

Wie glücklich bin ich den starken Laurent an meiner Seite zu haben. Hätte er auch geschwächelt hier, hätte ich dass nicht überstanden. Ich liebe dich mein Schatz! Bis zum Mond und zurück. 

Varanasi – City of Death

Es wär ja nicht so, als wären wir nicht vorgewarnt worden. Jedem den wir in Nepal erzählt haben, dass wir jetzt nach Varanasi fliegen, hat uns gesagt dass das ein Fehler ist. Lieber vorher Indien und dann relaxen in Nepal. Hit, unser Guide beim Trek sagte INDIA – heißt: I Never Do It Again. 

 

Aber wir waren positiv, neues Abenteuer, neues Glück. Und ich war ja schon in Indien und wollte ja ganz bewusst nochmal her. Außerdem war Varanasi ein Highlight für mich. Varanasi ist die älteste Stadt in Indien und eine der ältesten der ganzen Welt. Außerdem das Mekka der Hindus. Jeder Hindu sollte einmal im Leben in Varanasi gewesen sein und sich im heiligen Ganges von seinen Sünden frei waschen. Es gibt über 100 Tempel hier. Und das wichtigste: wenn man in Varanasi stirbt bzw als Leiche hier hergebracht wird, verbrannt und in den Ganges geschmissen wird, kommt man direkt ins Nirvana. Die Hindus glauben ja an Wiedergeburt und Karma. Nur durch ein sündenfreies Leben kann man im nächsten Leben eine Kaste aufsteigen. Um diesem Kreislauf zu entgehen, kann man sich in Varanasi verbrennen lassen, dann kommt man direkt (ohne Wiedergeburt) ins Nirvana und erhält Erlösung. Das faszinierte mich. Diese Energie wollte ich spüren. Also los, auf nach Varanasi – City of Death. 

Unser Flug von Kathmandu über Delhi nach Varanasi war total stressig. Ausreise in Nepal ist schon mit Formular ausfüllen und Hektik geprägt…und Einreise in Indien war dann nur noch Stress pur. Die Flugverspätung stresste uns zusätzlich… 10 mal an verschiedenen Schalter anstehen, Formulare ausfüllen, Sicherheitskontrollen, Visa vorzeigen, erzählen wo wir herkommen, wo wir hinwollen, wieso weshalb warum. Die Inder an den Schaltern haben garkeinen Stress. Im Schneckentempo fertigen sie die Passagiere ab. Wir platzen fast vor Nervosität… geht sich alles zeitlich aus?? Unser Gepäck wird nicht durchgecheckt bis Varanasi. Endlich kommen wir zum richtigen Gepäckband. Unsere 2 Rucksäcke liegen einsam und verloren noch drauf. juhu! Schnell damit zum Check In um diese wieder aufzugeben. Nach stundenlangem Stress und bangen, endlich am richtigen Gate, rechtzeitig. Puhh. 

Angekommen in Varanasi fahren wir mit dem Taxi 1.5 Std in die Stadt rein. Rushhour. Es ist schon dunkel. Unser Taxifahrer weiß offensichtlich nicht wo unser Hostel ist. Der Verkehr ist soooo verrückt. Wir kommen am vollen Elend vorbei. Nur Slums und Armut. Laurent und ich fühlen uns garnicht wohl. Aber ja, das ist Indien. Kulturschock deluxe. 

Endlich angekommen, müssen wir noch ein Stück zu Fuß gehen. Es stinkt so abartig. Wir müssen aufpassen beim gehen um nicht in die Hundescheisse und Kuhfladen, am Boden schlafenden Hunde (abgemagert und zerfessenes Fell), versiffte Pfützen stinkenden irgendwas, Ratten oder im Dreck sitzenden Kindern zu steigen. Alles ist so dermaßen abgefuckt und die Menschen starren uns mit skeptischen, bösen Blicken an. Ach gott… am liebsten wär ich sofort wieder zurück nach Nepal. Aber der Kulturschock ist sicher ganz normal… im Hostel treffen wir ein australisches Pärchen die 3 Monate in Nepal waren. Wir schwärmen von dem wundervollen Land und fühlen uns dank unseren Verbündeten gleich wieder wohler. 

Am nächsten Tag machen wir mit Atul dem Hostelchef eine Tempeltour. Er zeigt uns die drei wichtigsten Tempel in Varanasi. Außerdem den besten Chai der Stadt. Hier wird der Masalatee in Einweg Tontassen serviert. Er schmeckt super lecker. Atul ist ca. 30 und groß, muskulös und bärig. Ganz untypischer Inder irgendwie. Er ist von seiner Art her sehr westlich und modern. Im ersten Tempel erklärt er uns ganz viel über den Hinduismus, mega interessant für uns und irgendwie werden wir ganz erfürchtig. Atul ist Brahmane, also die oberste Kaste im Hinduismus. Er hat Sanskrit studiert und sich gegen ein Leben als Sadhu (Gläubige die ihr Leben Gott witmen, den ganzen Tag nur beten, meditieren und kiffen) entschieden. Er wollte nicht von Spenden leben. Er entschied sich ein Business aufzumachen. Aber er ist total überzeugt von seinem Glauben. Wir stellen ganz viele Fragen und erfahren alles über die verschiedenen Götter, die Rituale, die Geschichte und den gelebten Glauben in Varanasi. Wir werden von einem Priester gesegnet und flüstern einem Stier aus Stein unseren Wunsch ins Ohr. Bekommen einen roten Punkt auf die Stirn, eine Blumenkette um den Hals und einen rotgelben Faden ums Handgelenk gewickelt. Atul übersetzt: der Priester hat uns eine baldige Hochzeit und viele Kinder gewünscht. 

Im nächsten Tempel dürfen wir nichts mit rein nehmen. Hier gab es einen Terroranschlag, bei dem viele Menschen ums Leben kamen. Mein ohnehin schon sehr unwohles Gefühl in dieser Stadt verstärkt sich immer mehr. Wir sehen den Hindus beim beten und chanten zu, schon interessant wie stark gläubig diese Menschen sind. Sooo überzeugt. Wir lauschen gespannt Atuls Erzählungen. Mittlerweile ist es schon dunkel. Atul zeigt uns ein Süßigkeiten Ständchen … das kaufen die Hindus und opfern es den Göttern. Wir kosten ein Kichererbsen Bällchen , dass genau NUR nach Zucker schmeckt. Und Konfekt aus Milch.. auch eklig. Nicht unser Geschmack. Atul liebt es. Macht ihn noch sympathischer. Passt irgendwie zu ihm, der große bärige Atul – ein Zuckermäulchen. 

Auch der dritte Tempel beeindruckt uns… man kann sehen wie uuuralt hier alles ist und die Menschen in ihren geschäftigen Ritualen … echt interessant. Atul erklärt uns, dass schon wieder ein Festival gefeiert wird zurzeit. Die Frauen fasten drei Tage (auch kein Wasser!) um einen Sohn zu gebären. Am dritten Tag baden sie dann alle im Ganges und verschenken Früchte an die Armen. Das soll bewirken einen Sohn zu bekommen. 

Diese paar Stunden mit Atul waren die einzigen in denen ich mich halbwegs sicher und wohl gefühlt hab in Varanasi. Wenn Laurent und ich alleine unterwegs waren…. fühlte ich mich unendlich verloren. Es sind sooo viele Menschen auf den Straßen, so viele komplett verwarloste und abgemagerte Hunde, sooo viele Kühe, tonnenschwere Stiere mit riesigen Hörnern und Hoden und Wasserbüffel auf der Straße. Laurent wurde zweimal von einem Stier angerempelt. Das ist echt nicht lustig. 

Alles ist soo unglaublich abgefuckt. Und die Energien hier machen mich komplett fertig. Es ist einfach alles zu viel. Sooo laut. Sooo heiß. Soo viel Elend.  Die Menschen starren uns mit skeptischen bösen Blicken an… es hat 36 Grad…. es stinkt soo abartig. Es gibt keine Restaurants und wenn, dann nur abgefuckte… ich schaffs einfach nicht mich hier wohl zu fühlen. Nachts können wir nicht schlafen weil dauernd irgendwelche Schüsse, Raketen, Böller zu hören sind, laute Musik aus krachenden Boxen, und Gebete aus Lautsprecher. 

Der Tod ist allgegenwärtig.

Am nächsten Tag machen wir um 5 Uhr früh eine Bootsfahrt auf dem Ganges zum Sonnenaufgang. Endlich seh ich ihn. Den Ganges. Den Heiligen Fluss. 

Das ist eine Drecksbrühe das glaubt ihr nicht. Der 7. dreckigste Fluss der Erde. Der Wert an Kolibakterien in dem Fluss ist 2000 mal höher als der zugelassene Höchstwert in Indien. Hier wird giftiges Industrieabwasser reingelassen, Pisse und Scheisse (gibt ja keine Kanalisation hier), Müll, und Leichen. Ich ekel mich sooo dermaßen vor dem Wasser. Wir fahren mit dem Boot an den Ghats entlang und sehen den Menschen beim baden und ihre Kleidung waschen zu. Sie baden in dem Fluss und trinken das Wasser. Es ist kaum zu glauben. Ich halt das alles kaum aus. 

Wir kommen zu den Verbrennungsghats und sehen die Kühe in den verbrannten Scheiterhaufen nach essbaren wühlen. Auch die Hunde wühlen mit ihren Schnauzen in der noch rauchenden Asche. Mir kommt echt das kotzen. 

Am Nachmittag machen wir uns nochmal zu Fuß auf den Weg zu den Verbrennungsghats. Ein Typ gwatscht uns an und lässt sich nicht abwimmeln. Wir hören uns seine interessanten Infos zu den „Funerals“ an. Also wie schon erwähnt, ist ja das sterben und verbrannt werden in Varanasi das beste was einem Hindu passieren kann. Von ganz Indien pilgern die Menschen hierher und bringen ihre Verstorbenen ans Ufer des Ganges. Es gibt 5 Ausnahmen. Schwangere, Kinder und Babys, Leprakranke, Sadhus und Menschen die von Tieren umgebracht wurden (zb Schlangenbiss) werden nicht verbrannt sondern einfach so im Fluss versenkt. Die fünf Ausnahmen sind schon rein und müssen daher nicht verbrannt werden. 

Hier brennt seit 3500 Jahren ein Feuer das noch nie ausgegangen ist. Eine Schichtmannschaft von Sadhus „lebt“ direkt neben dem Feuer und betreut es 24 Stunden lang. Mit diesem Feuer werden die Scheiterhaufen entzündet. 

Wir sehen ca 8-9 Leichen… in orange Tücher gewickelt. Frauen dürfen bei den Verbrennungen nicht dabei sein. Tränen bringen Unglück und früher haben die Frauen so viel geweint und manchmal ist die heulende Ehefrau ihrem verstorbenen Gatten uns Feuer nach gesprungen. Deshalb sind Frauen jetzt nicht mehr zugelassen. 

Wenn eine Frau stirbt dann übernimmt der Ehemann den wichtigsten Part der Zeremonie. Wenn ein Mann stirbt dann der älteste Sohn. Und bei einer Witwe der jüngste Sohn. Dem jenigen werden alle Haare und Bart abrasiert. Als Zeichen der Trauer und des Respekts. 

Als erstes werden die Leichen in den Ganges getunkt. Dann 3 Std in der Sonne getrocknet und dann auf den Scheiterhaufen gelegt. Der Rasierte darf dann das Feuer entzünden. 3 Stunden wird verbrannt. Dann wird das was noch übrig ist (Brustbein des Mannes und Hüfte der Frau verbrennt nie vollständig… aber auch teilweise noch ganze Beine…)  in den Ganges gekippt. Ein paar Inder tauchen im Wasser und suchen Schmuck der Verstorbenen in der braunen Brühe. 

Wir sehen Hunde die in der Asche wühlen und verkohlte Menschenreste suchen. 

Der junge Bursch erklärt uns die verschiedenen Verbrennungsstätten. Ganz unten die niedrigste Kaste. Ganz oben die oberste. Die Reichen kaufen sich Sandelholz, Mango und Banyan … das ist sehr ölig und verhindert den Gestank nach verbrannten Haaren und Haut. Die Armen können sich das nicht leisten… ein bisschen Sandelholzstaub wird oft drüber geleert um es etwas abzumildern. 

Wir stehen direkt neben den Feuern. Es hat 36 Grad…. neben dem Feuer gefühlte 50. Unsere Augen tränen von dem Rauch. Alles ist soo intensiv. Traurig sind wir nicht… es wirkt ja alles sehr friedlich. Aber dass hier alles so öffentlich zelebriert wird… so lieblos irgendwie… das macht mich nachdenklich. Ich hab schon einige mir lieb gewonnene Menschen verloren. Am schlimmsten war der Tod meiner Oma für mich. Die kurze Vorstellung, sie könnte auf so eine Art und Weise verabschiedet worden sein lässt mich schaudern…. 

Für eine Verbrennung braucht man ca 50 kg Holz. Die Armen können sich das oft nicht leisten. Wir spenden 1 kg Holz einer armen Familie. Für die Familie und unser Karma. 

Fotografieren ist übrigens nicht gestattet…deshalb keine Fotos. 

Es ist echt super interessant so hautnah diesen starken Glauben zu erfahren. Aber trotzdem ist uns das alles zu viel. Mir gehts garnicht gut. Ich fühl mich so unwohl in meiner Haut und diese ganzen starken Energien sind einfach zu viel für mich. Ich hab das Gefühl in jeder Ecke lauert das Böse und kann mich einfach nicht entspannen. 

Wir entscheiden raus aus Varanasi zu fahren. Nach Bodhgaya. Das Mekka der Buddhisten. Vielleicht ist es da besser. Vielleicht. Ich hab im Internet ein Charity Projekt gefunden. Eine Schule + Hostel. Da muss es mir doch besser gehn. Wir buchen einen Zug und packen. Hoffentlich ist jetzt Besserung in Sicht. 

N.ever E.nding P.eace A.nd L.ove 

NEPAL – Never Ending Peace And Love

In unserer letzten Woche in diesem wundervollen Land, haben wir diese Liebe und den Frieden noch mal ganz intensiv spüren dürfen. 

Diwali Festival wird gerade im ganzen Land zelebriert. Ein einwöchiges Hindu-Festival. 

Kernaussage des Festes ist der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über den Schatten und des Lebens über den Tod.


Jeden Tag wird etwas anderes gefeiert und geheiligt. Am ersten Tag die Krähen, da wird überall Futter für die Vögel ausgestreut (außerdem noch ganz viele andere Rituale wie zb das Haus putzen und ein langes Bad nehmen).

Am zweiten Tag werden die Hunde geheiligt. Alle Straßenhunde haben bunte Punkte auf der Stirn und/oder eine Blumenkette um den Hals. Wir kamen zufällig in den Genuss einer solchen Segnung. Am ersten Tag nach unserem Trek, waren wir gerade gemütlich frühstücken, als die Familie des Cafes plötzlich ganz gestresst wirkte und uns erzählte, dass der Hund gesegnet wird heute, sie aber gerade keinen finden der das machen darf. 

Da gibt’s nämlich einige Kriterien: 

1. muss nepali sein 

2. muss Hindu sein 

3. muss eine Frau sein 

4. es darf keiner gerade in der Familie vestorben sein

….und noch ein paar. 

Also kam nur die kleine Tochter des Hauses in Frage, die aber zur Schule musste. Schnell wurde alles vorbereitet und der kleine Wauzi bekam einen roten Punkt auf die Stirn, wurde mit Kräutern „umräuchert“ und ihm wurde eine Blumenkette umgehängt. Als Belohnung bekam er dann seine Leibspeiße: Hühnerfüße. Sooo wundervoll dieses Ritual hautnah mitzubekommen. 

Am dritten Tag wird das Licht gefeiert. Überall werden Kerzen und Lichterketten platziert. Alles strahlt und glitzert. Vor jedem Haus wird ein buntes Mandala gelegt und mit Räucherstäbchen, Obst, Geld, und Kerzen dekoriert. Soooo schön!!! Wir waren abends in Lakeside, da war die Hölle los. 100te von TänzerInnen die traditionelle Tänze vorführten, dass sah aus wie ein Wettbewerb: Pärchen, Tanzgruppen, Einzeltänzer in tollen Kostümen und aufwendig geschminkt. Musik dröhnte aus viel zu lauten Lautsprechern und hunderte von Leuten drängten sich rundherum um die Tänze zu sehen. Die ganze Straße entlang trafen wir auf Tänzer, Mandalas, Musik, Lichter, Kerzen, glückliche, singende, strahlende Menschen. So eine wundervolle Atmosphäre! Die Kids machten es den großen nach und veranstalteten ebenfalls so kleine Tanzbattles. Das war sooo rührend und goldig!! 🙂 

Als wir zurück zu „unserer Family“ kamen, wars schon spät aber unsere Mumy hat sich natürlich auch ganz viel mühe gegeben, dieses Fest zu zelebrieren. Überall Kerzen. Ein wundervolles buntes Mandala. Wir bekamen einen roten Punkt auf die Stirn und feierten gemeinsam. Sooo schön wenn man spürt ein Teil von etwas zu sein. Wir fühlten uns sooo geborgen und dazugehörig in unserer Zeit dort, dass werden wir nie vergessen. Wir vermissen euch jetzt schon. 

Am 4. Tag werden die Kühe geheiligt… die laufen dann auch bunt geschmückt durch die Straßen. 

Am 5. Tag war Schwester&Bruder Fest. Das erlebten wir wieder „back in Kathmandu“. Die ganze Stadt ist geschmückt mit Lichterketten und Kerzen, die Reste der Mandalas kann man auch noch auf den Straßen erkennen. Brüder und Schwestern erkennt man an den violetten Blumenketten. Nachts stehen wir am Hosteldach und blicken über die Stadt. Man hört Musik, Lachen, Autos, Raketen, …und sieht 100000 Lichter!!! Ich hab da ganz fest an meine Geschwister gedacht und ihnen eine dicke Umarmung geschickt. Danke, dass es euch gibt!! Ihr seit ein großer, wichtiger Teil in meinem Leben. 

Es tut sooo gut so dankbar zu sein. Die Nepalis haben einen ganz anderen Stellenwert für DANKBARKEIT als wir Österreicher. Das haben wir hier wirklich hautnah gespürt. Dankbar zu sein und das Leben zu feiern. Jeden Tag. Nicht nur am Festival, aber da ganz besonders. 

In Kathmandu haben wir noch den Affentempel besichtigt. Natürlich wieder über Stufen, was denn sonst. Eine große goldene Stupa mit kleinen Tempeln rundherum und gaaanz vielen super süßen Äffchen 😊

Dieses Land ist einfach sooo bezaubernd. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Diese atemberaubende Landschaft, die Berge, das viele satte Grün…. das super leckere Essen, die Düfte, Stoffe, Farben, Tempel, Tiere… diese Heiligkeit…. und die Menschen. Die Menschen bleiben wirklich am nachhaltigsten in Erinnerung. Jeden Tag erlebten wir so viele Situationen die uns zum schmunzeln brachten und unsere Herzen hüpfen ließen. 

Unsere Nepali Mummy die uns nach unserem Trek mit großen glänzenden Augen und Küssen empfangen hat, happy dass wir es überstanden haben und stolz wie unsere Mütter es wären. Und ihre erste Frage: „Was wünscht ihr euch heute zu essen? Soll ich was besonderes kochen?“ … da mussten wir schon schlucken, exakt das gleiche hätten unsere Mütter auch gesagt. 

Oder wenn wir spät abends den Hügel im finsteren rauf zum Guesthouse gingen und uns die Menschen am Straßenrand mit einem „singenden“ Namastheeeyyy begrüßten, fragten wie unser Tag war, etwas von ihrem Tag erzählten… diese Situationen waren so wohltuend und für mich auch so überraschend. Ich kenn das von anderen Ländern nicht. Normalerweise wird man nur aus einem Grund angesprochen: Money! Hier nicht… hier interessiert man sich wirklich. Soo schön. 

Oder als wir mal an einem drückend heißen Tag zu Fuß zur Lakeside unterwegs waren und ein Taxi (in Nepal erkennt man Taxis nicht von außen, eigentlich ist jedes Auto ein Taxi) stehen blieb und uns fragte ob wir mitwollen. Wir stiegen ein und als wir wieder ausstiegen, meinte der Fahrer er will kein Geld, er hat uns nur mitgenommen weil er sowieso da fährt. Sowas hab ich in Asien noch nie erlebt. Das ist Nepal. 

Oder die Haschisch Verkäufer die uns ständig anquatschen… ein wirklich zwielichtiger, komplett zerstörter, dichter Typ fragte Laurent: „Bro, wanna smoke? Haschisch, Marihuana“ als wir arrogant verneinen (das Zeug was du intus hast: nein danke!) … wünschte er uns trotzdem super freundlich einen schönen Tag. haha 

Wir haben sooo viele Geschichten dieser Art erlebt, die dieses einzigartige Volk widerspiegeln. 

Jetzt ist die Zeit gekommen um Abschied zu nehmen. Wir wollen uns garnicht trennen, aber Veränderung gehört dazu. Das Abentuer geht ja weiter,… mal sehen was da noch alles wartet auf uns. 

bye bye & Namasthey lovely Nepal and THANK YOU. 

24 hour – dal bhat power

Ohh my godness….. wir haben es echt geschafft! Könnens noch garnicht glauben. 

6 Tage Poonhill Annapurna Panorama Trek – rauf auf über 3000 m mit Blick auf die 8000er!

Das war wirklich die herausfordernste und unglaublich schönste Erfahrung unseres Lebens. Ich kann es garnicht in Worte fassen, was wir hier erleben durften, aber ich versuch mal ein paar Impressionen festzuhalten.

Am Tag bevors los ging, hab ich mir noch meine Hand mit heißem Kaffee verbrannt. Super Timing, aber die Nepalis haben mich liebevoll mit Eis, Aloe Vera und Wundsalbe versorgt.

DAY ONE – Nayapul- Thikedunga – 5 Stunden 12 km

Am ersten Tag gehts am Fluss entlang, rauf und runter, vorbei an Reisfeldern, die teilweise gerade geerntet wurden. Beeindruckende Natur, schwindelige Hängebrücken und idyllische Dörfer.

Unser Guide “Hit” ist 37 und passt perfekt zu uns! Er erklärt uns am Weg die Pflanzen, Natur und Kultur in Nepal. Plötzlich pflückt er ein Blatt von einem Baum, knickt es um und bläst durch den Stengel, da kommen am anderen Ende kleine Seifenblasen heraus! Wundervoll.

Wir schlemmen Guaven, die es hier überall gibt. Super lecker.

Riesige Spinnennetze mit teilweise 10 cm großen Spinnen :O

Bei einem Checkpoint treffen wir Peter, den wir aus dem Yoga Retreat kennen. Wie lustig! Wir gehen ein Stück zusammen und quatschen über unsere Erfahrungen in Nepal und unsere Leben zu Hause.

Nach 5 Stunden gehen, die letzte Stunde steil bergauf über 1000 wackelige Steinstufen, erreichen wir Thikedunga unser erstes Ziel. Unser Zimmer ist einfach, klein und müffelig. Auf meinem Bett liegt eine Spinnenhaut…da hat sich wohl grad was gehäutet und lauert jetzt in den Ritzen. Naja, das haben wir ja eigentlich auch so erwartet. Wir schlafen sofort erledigt ein. 

DAY TWO – Thikedunga-Ghorepani 8 Stunden 25 km

6 Uhr aufstehen. Zum Frühstück gibts Tibetian Bread, schmeckt wie die Hasenöhrl von meiner Oma.

Die ersten 3 Stunden gehts in der prallen Sonne 100000 Stufen steil bergauf. Wir konzentrieren uns auf unseren Atem und denken Step by Step, by Step, by Step. Irgendwie kommt man wirklich in so ne Art Walking Meditation. Wir kommen durch idyllische, einsame Bergdörfer, begegnen den Schulkindern am Weg in die Schule, Eselherden, Ponys, Hunden, Kühen, Büffel, Katzen, Hühner (einmal begleitete ein Huhn mich über einige hundert Meter und war traurigerweise echt schneller als ich) und andern Trekkern mit Porter (Träger) die bis zu 50-60 kg schleppen und teilweise in FlipFlops gehen. Uns fallen fast die Augen raus und fühlen uns jämmerlich mit unseren 5 und 8 kg Rucksäcken. 

Das motivierende ist, jedem gehts so wie uns, selbst die erfahrenen Guides und die Träger sowieso, schwitzen genauso wie wir. 

Dann gehts ein paar Stunden durch einen wunderschönen Rhododendron (Nationalblüte von Nepal) Dschungel mit 1000 von Grüntönen, rauschenden Wasserfällen und zirpenden Grillen. Auch über Stufen. Hit erklärt uns, dass die Baumgrenze in Nepal viel höher liegt als in den Alpen und auf 4000 m immer noch Rhododendron wächst.

Endlich in Ghorepani angekommen gibts dort keinen Strom. Es ist eiskalt. Laurent probiert einen einheimischen “Mustang Coffee” aus “Wein” mit über 20 % Alkohol aus Getreide und einem Schuss Kaffee. Wir genießen das Gefühl hier nun auf unserem höchsten Punkt. Könnens garnicht glauben wieviel wir gegangen sind und zu was wir in der Lage sind. Abends sitzen wir rund um eine beheizte Tonne und genießen den Abend mit Hit und den Nepalis.

DAY THREE – Ghorepani über Poonhill -Tadapani 7 Stunden – 20km

Um 4:30 Uhr läutet der Wecker, wir wollen zum Sonnenaufgang rauf auf den Poonhill (über 3000 m hoch) um einen Blick auf die beeindruckende Himalaya Kulisse zu erhaschen. Wir schlüpfen in unsere mittlerweile schon stinkenden Klamotten und schnappen uns unsere Stirnlampen und Wanderstöcke und dann gehts los. Über 1000 von Stufen im Finsteren rauf auf den Poonhill. Oben angekommen, traun wir unseren Augen kaum. Wir habens wirklich geschafft. Wir stehen jetzt wirklich da oben. Der Schweiß und die Schmerzen haben sich gelohnt, der Ausblick verschlägt uns den Atem.

Dann gehts wieder runter, da wartet unser Frühstück und dann gehts wieder stundenlang berg auf und berg ab, langsam spüren wir unsere Knie… und Muskelkater, aber Zähne zusammenbeissen, ein Zurück gibts eh nicht mehr. Wir wandern durch die schönsten und beeindruckendsten Landschaften, treffen Affen im Wald, bewundern 100te von Steinmännchen und die unzähligen Wasserfälle.

Manchmal kommen wir an stellen, an denen man das Dorf sieht an dem wir gestartet sind, da können wir es fast nicht glauben das wir das echt alles gegangen sind. Unpackbar.

Abends im Teahouse belohnen wir uns mit einer Nachspeiße (unsere Motivationtricks täglich haha) – Chocolate Roll – wird hier serviert mit Pommes und Salat haha

DAY FOUR – Tadapani – HotSprings 7 Stunden – 20 km

Wir kommen früh morgens kaum aus dem Bett weil uns alles weh tut. Die Knie schmerzen, die Schultern drücken und der Muskelkater in den Unterschenkel lässt uns kaum gerade stehen. Aber no chance, rein ins stinkende Shirt und in die Wanderschuhe (die übrigens super sind – keine einzige Blase!)

Es geht wieder 1000 von Stufen bergab durch einen Affenwald. Wir sehen Ochsen beim Feldpflügen und die Nepalis bei der Arbeit. Jeder Schritt schmerzt, ich versuch mich mit Belohnungsgedanken abzulenken und bewundere diese unglaublich beeindruckende Naturkulisse.

Nach 1.5 Stunden bergauf treffen wir auf eine Schule mit “Riesenrad”. So unglaublich, wir trauen uns aber nicht drauf, sind uns nicht sicher ob uns dieses “Bauwerk” aushaltet. Haha

Nach 7 Stunden kommen wir fix und foxy in HotSprings an. Hit eröffnet uns, dass es zu den heißen Quellen aber noch mal eine Stunde bergab geht und dann wieder eine Stunde bergauf zu unserem Teahouse. Wir sind den Tränen nahe, können keinen Schritt mehr gehn. Also erstmal ein Everest Beer und dann sehen wir weiter. Komischerweise hilft das echt und wir maschieren wirklich noch bis runter zu den heißen Quellen. Ein herrliches Bad in heißem Quellwasser. Die Tatsache mit 20 anderen verschwitzten Trekkern mit Blasen an den Füßen in einem Becken zu sitzen und die lüsternden Nepalis blenden wir aus.

DAY FIVE – Hotsprings – Tholka 7 Stunden 25 km

Vorletzter Tag. Unsere Klamotten sind nun wirklich mit Schweiß durchdrängt. Interessanterweise riecht der nach Curry. 5 Tage lang das gleiche Essen (Dal Bhat) beeinflusst anscheinend schon unsere Ausdünstungen. Blähungen haben wir auch davon. Haarewaschen war auch noch nicht möglich….langsam träume ich nachts schon von Haarpflegeprodukten. Aber jammern hilft nicht, rein in die Schuhe und raus ins Abenteuer. Wieder stundenlang durch beeindruckende Landschaften. Hit zeigt uns einen Zimtbaum, sogar die Blätter duften herrlich nach Zimt. Plötzlich kommt uns ein alter Mann entgegen, wild gestikulierend erklärt er uns irgendwas auf nepali. Ich verstehe “Weltuntergang” “Explosion” und “Ich gehe jetzt Zombies jagen”…… Hit übersetzt uns dann, er erzählt uns dass eine Brücke zusammengestürzt ist und das Affen seine Reisernte gestohlen haben und er jetzt auf Affenjagd geht. Haha Solche Momente sind so göttlich und wir erleben 100te davon täglich. 


Am Weg begegnen wir Kindern die uns den Weg versperren und Geld verlangen. Wegzoll quasi.

Die letzten 1.5 Stunden regnets. Wir rutschen auf den glatten Steinen herum und treffen nachmittags endlich im Teahouse ein, dort helfen wir beim Knoblauch schälen und quatschen mit den Nepalis.

DAY SIX – Tholka – Kande 5 Stunden 18 km

YEAH der letzte Tag ist angebrochen. Meine Motivation und Kraft ist am Ende. Alles tut weh.

Am weg treffen wir zweimal auf eine Büffelherde die uns gefährlich nahe kommt und agressiv wirkt. Uns rutscht das Herz in die Hose, aber Hit konnte die Situation gut lösen und es ist nichts passiert.

Die letzten Stunden denken wir nur noch an den Moment wenn wir endlich da sind und als wir tatsächlich ENDLICH angekommen sind, fallen wir uns erleichtert und mit Glücksgefühlen im ganzen Körper in die Arme. WIR HABEN ES ECHT GESCHAFFT!

Unser Abschied von Hit war traurig, nach der intensiven Zeit zusammen, sind wir ziemlich zusammen geschweißt. Laurent schenkt ihm zum Abschied eine selbstgemachte Kette und er sagt „come as a guest – go as a friend“. 

Inhale the good shit – Exhale the bullshit

Ohhhhm shantiii shantiiii shantiii

Nach 3 Tagen im Yoga Retreat fühlen wir uns richtig gereinigt – im Innen und Außen. Und haben derben Muskelkater. Haha

Schon bei unserer Ankunft im Retreat, dass aussieht wie ein kleiner Tempel, fühlten wir die Ruhe und die Spiritualität die hier gelebt wird. Nach dem wir unser kleines Zimmer bezogen hatten (ohne Schlüssel – “its safe, we are a big family”), durften wir uns noch ein bisschen ausruhen auf dem Rooftop. Ich schlief sofort in der Sonne ein, so eine relaxte Atmosphäre hier.

Dann hörten wir den Gong und unser Retreat startet mit Teatime und Popcorn und kennenlernen der aktuellen “Sadhana family” – wir sind ca 15 Leute von Australien, Neuseeland, Finnland, Niederlande, Polen und der Schweiz – und wir Ösis. Die nächsten Tage stehen im Sinne von Reinigung und Frieden. Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Schokolade, WLAN, …alles was giftig ist und süchtig macht…ist verboten im Sadhana Yoga Retreat. Die nächsten Tage gibt es nur Wasser, Tee und ayurvedisches Essen, vor jeder Mahlzeit wird gemeinsam gebetet um das Essen zu reinigen. Pure Food – Pure Mind.

Hier unser tägliches Programm:

Chanting – ist gemeinsames Mantra singen mit geschlossenen Augen, alle sitzen im Kreis und wir singen gemeinsam immer die gleichen Phrasen, alles vibriert und man singt sich in eine Art Trance Zustand.

Bei der Candle-Meditation nach dem Abendessen, sitzen wir im Dunklen rund um eine Kerze und schauen in die Flamme ohne zu blinzeln (wers schafft) und wiederholen etliche male verschiedene Mantras. Damit schärfen wir unsere Konzentration und wenn du dann die Augen schließt, siehst du den Schein der Kerze mit deinem inneren Auge. The inner light.

Um 5:30 läutet der erste Gong – aufstehen! Draußen ist es noch kühl, die ersten Vögel singen.
Wir bereiten uns auf unsere Morning Meditation vor – machen Dehnübungen und lernen einiges an Theorie. Dann startet die Meditation. Jeder bekommt eine Gebetskette und mit geschlossenen Augen wiederholen wir “So Ham” “So Ham” “So Ham” – so oft wie die Kette Perlen hat. Dann das ganze im Flüsterton. Und dann noch eine Runde im Stillen.

Danach gehts aufs Rooftop – es gibt Tee und eine kleine Schale Früchte für jeden. Außerdem Aloe Vera aus dem Garten um Gesicht und Haut zu erfrischen.

Es läutet der Gong – Zeit für “nasal flushing”. Jeder bekommt eine kleine Kanne mit Salzwasser und wir stecken uns das Ende in ein Nasenloch, aus dem anderen läuft dann das Wasser wieder raus. Das klappt überraschend gut, wir haben unser Kännchen gleich mitgenommen und versuchen das nun täglich weiter zu praktizieren.

Gong. Reflexology. Jeder bekommt einen hölzernen Stab in dem kleine spitze Noppen geschnitzt sind und wir stimulieren damit unsere Reflexpunkte auf unseren Fußsohlen und Handflächen. Das wirkt ähnlich wie Akupunktur.

Gong. Morning Yoga. Puhhh ganz schön anstrengend. Die Posen sind ganz schön herausfordernd und nach 1.5 Stunden sind wir nassgeschwitzt, aber Laurent als blutiger Anfänger schlagt sich wacker. 🙂

10 Uhr gibts Frühstück. Leckere Früchte mit Haferflocken und Kokos. Und Tee. Eh klar.

Danach reiben wir uns mit Heilerde ein – die reinigt die Haut und entzieht Giftstoffe. Sobald die Erde in der Sonne getrocknet ist, reiben wir sie uns wieder ab – das ergibt einen tollen Peelingeffekt. Die Haut ist danach soooo weich wie ein Babypopo 🙂


Dann gehts zur Massage -ahhhh herrlich. Zwar soo fest, dass ich sogar bisschen Blutergüsse am Oberschenkel hab aber der Masseur meinte: “Pain is good Linnea, sweet pain” 😀

Komplett ölig und wie auf Wolken schweben wir zum “Steam bath” – sowas cooles haben wir noch nie gesehen. Ein Schrank aus Holz in dem ein Hocker steht, da setzt man sich drauf und der Kopf schaut aus einem Loch oben wieder raus. Dann wird Wasser mit Kräutern aufgekocht und der Dampf da rein geblasen. Soooo ein angenehmes Gefühl, man spürt wie sich die Poren öffnen und der ganze Dreck rausgeschwitzt wird. Göttlich.

Gong. Wieder Meditation.

Um 13 Uhr gibts dann köstliches Mittagessen. Immer 3-4 verschiedene Sachen, alles unterschiedlich gewürzt, unterschiedliche Konsistenzen – und suuuuper lecker!!

Danach startet das Karma Yoga – na was glaubt ihr was das ist? Naja, was fürs Karma tun, also im Retreat ein bisschen mithelfen beim putzen und den Garten pflegen. Haha

Gong. Teepause. Mhhhm der Chaitee ist so köstlich, ich könnt mich reinlegen. Kein verlangen nach Kaffee und Chick.

Gong. Chanting. Gemeinsames Singen mit Trommeln.

Gong. Evening Yoga. Wieder eine fordernde Yoga Einheit, wir spüren jetzt schon Muskelkater. Zusätzliche Challenge: Mosquitos. Haha die Balance-Posen zu halten und gleichzeitig Mosquitos verjagen – garnicht so einfach.

Wieder leckeres Abendessen und Candle Meditation. Bett. 5:30 Uhr Gong, aufstehen und der ganze Spaß von vorne.

Jetzt fühlen wir uns so riiiiichtig gut und ausgeglichen. Unsere Seele ist nun auch endgültig hier in Nepal angekommen.

Ohhhhm Ohhhm Ohhhhhm Shantiiii Shantiiii Shantiiii FOLLOW YOUR HEART

Welcome to our family in Hidden Paradise

Wooow wie herrlich es hier ist.

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Das Hidden Paradise Guesthouse ist umgeben von einer beeindruckenden Bergkulisse mit kleinen Dörfern und Reisfeldern, versteckt in einem tropischen Garten mit einer Hammer Aussicht auf den Phewa Lake. Es erinnert mich fast ein bisschen an meinen geliebten Attersee. Die Familie ist soo nett und umsorgt uns liebevoll. Pokhara ist einer der belietesten Spots der Welt für Paragliding. Die starten alle am Berg hinter uns und fliegen über unser Guesthouse runter zum See. Tausende starten hier täglich und wir hören die Adrenalinschreie der “Fliegenden” die sich in Schrauben runter zum See drehen. Wir genießen die Zeit hier im Schatten (es hat 30 Grad und ist extrem schwül) und lesen und genießen die Aussicht. Außerdem gibts hier endlich mal guten Kaffee.

Pokhara Lakeside ist wie eine chillige Variante von Thamel in Kathmandu. Auch hier reihen sich Restaurants und Shops aneinander aber es ist nicht ganz so viel los und die Verkäufer sind nicht so aufdringlich. Das Essen ist sooo köstlich, bis jetzt hatten wir immer Glück und fast täglich gibts einmal Momos. Danke liebe Daniela (meine Arbeitskollegin im Ferialjob die mir die Momos ans Herz legte und mir ganz viele Tipps für Nepal verriet) – du hast mir wirklich nicht zu viel versprochen, wir kriegen garnicht genug von den leckeren Teigtaschen! Abends gibts an der Waterfront vom Phewa Lake fast in jedem Restaurant Livemusik und BBQ-Rauch steigt auf.


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Laurent plant unseren nächsten Ausflug zu den Devis Falls und Mahadev Cave – ein tosender Wasserfall der in der Erde verschwindet und in der Höhle wieder zum Vorschein kommt.

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Beim Eingang in die Höhle überkommt mich ein komisches Gefühl. Es ist heiß und stickig, Wasser tropft von der Höhlendecke, es ist dunkel und alle drängen sich in die Höhle rein. Wir steigen die Stufen hinab und mir wird immer komischer. Es ist eng und die Decke ist niedrig. Nach fünf Minuten Stufen hinab steigen erreichen wir einen unterirdischen Tempel. So viele Menschen drängen sich duch die engen Wege immer tiefer in die Höhle rein. Mir wird schlecht. Mein Herz klopft und ich bekomme kaum Luft.

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Hä? Hab ich jetzt aufeinmal Platzangst? Das kenne ich garnicht von mir…aber irgendwie überfällt mich die Panik in dem tiefen, dunklen, engen, stickigen Gängen und ich verabschiede mich von Laurent und versuch so schnell wie möglich wieder rauf ans Tageslicht zu kommen. Komplett nass und verschwitzt komm ich oben an. Nein Danke, das wars mit Höhlenbesichtigung für mich. Laurent kommt nach 15 Minuten nach, auch ihm steht der Schweiß auf der Stirn und er ist komplett durchnässt – er ging noch bis ans Ende und war happy über diese beeindruckende Erfahrung.

Hier noch ein paar Impressionen von dem wunderschönen Phewa Lake:

Abenteuerliche Busfahrt nach Pokhara

Vollmond. Ich kann nicht schlafen. Um 6 Uhr kommt unser Taxi, dass uns zum Busbahnhof bringt wo unser Bus nach Pokhara abfährt. Draußen bellen die Straßenhunde. Laurent neben mir glüht aber schläft. Ich wälze mich hin und her, steh noch mal auf und hol mir mein Buch und lese ein bisschen. Bringt auch nichts. Mein Margen knurrt, vielleicht ist es Hunger? Ich hole mir einen Müsliriegel aus meinem Rucksack, den mir meine Mama noch heimlich eingesteckt hat. Laurent wird munter und lacht mich aus: „Ahaaa Mitternachtssnack?“. Irgendwann dös ich ein und dann läutet auch schon der Wecker.

Die Busfahrt raus aus Kathmandu führt uns vorbei an Slums… Müllberge und Rauch prägen das Straßenbild. Die Aircondition ist so eiskalt, dass wir bereuen nichts wärmeres angezogen zu haben. Je weiter raus aus Kathmandu, desto steiler bergauf geht es. Es ist die Hölle los auf den Straßen und alle fahren kreuz und quer. Wir bewundern unseren Busfahrer der bei dem Verkehr so ruhiges Blut bewahrt und die ganzen Mopeds die sich bei uns vorbeischlengeln nicht über den Haufen fährt.

Wir kommen immer höher, uns verschlägt es die Ohren und es breitet sich eine beeindruckende Bergkulisse mit idyllischen Reisfeldern vor uns aus.

Wir fahren durch kleine Dörfer und sehen die Einheimischen beim Wäschewaschen, Autos reparieren, Häuser bauen, Kochen und die Kinder auf der Straße einseifen. Kühe, Hunde, Ziegen laufen neben bzw auf der Straße. Kühen weicht unser Busfahrer genauso gekonnt aus wie den ganzen Gefährten die uns entgegen kommen. Wenn man in Nepal eine Kuh umbringt, kommt man mindestens 2 Jahre ins Gefängnis. Die Straßen sind holprig und uns hebt es aus den Sitzen. Rechts und links neben der Straße geht’s hunderte Meter abwährts. Es ist kurvig und der Verkehr wird nicht weniger. Alle fahren so schnell wies geht, jeder scheint im Stress zu sein. Gefährliche Überholmanöver in den engen, unübersichtlichen Kurven lassen uns zittern, aber irgendwie geht sich immer alles aus.

Wir versuchen einfach zu vertrauen und zu schlafen. Nach einer Pinkelpause (die Toiletten sind einfach nur stinkende Löcher im Boden) und einer Frühstückspause (gebratener Reis mit frittiertem Fisch) wird es so unglaublich heiß im Bus und genau jetzt fangt die Klimaanlage zum streiken an. Nun schwitzen wir und der ganze Bus fängt zu müffeln an. Nach 9 (!) Stunden Busfahrt kommen wir ENDLICH in Pokhara an. Durch die schlechte Luft und die Hitze im Bus haben wir brennendes Kopfweh und sind fix und foxy. Unser Taxifahrer bringt uns zu einer steinigen, unbefestigten Straße und sagt er kann da nicht rauf wir müssen den Rest zu Fuß gehen. „Only two minutes“… wir laden uns unsere schweren Rucksäcke auf und maschieren den Berg hoch. Aus den 2 Minuten wurden 30 Minuten steil bergauf- mein Kopf hämmerte und mir wurde schwindelig. Als wir endlich bei unserem Guesthouse Hidden Paradise ankommen (sehr treffender Name, versteckter geht’s fast nicht) werden wir freundlich begrüßt und eingeladen mit der Familie gemeinsam zu Abend zu essen. Unsere Mägen knurren und das Kopfweh lässt einfach nicht nach… nach zwei Stunden kommt auf einmal die ganze Verwandschaft in festlicher traditioneller Kleidung und es wird Musik gespielt und Sprühkerzen angezündet. Die kleine Tochter von der Guesthouse-Mum feiert ihren 5. Geburtstag!

Was für eine Ehre bei der Party dabeisein zu dürfen! Uns hüpft das Herz, es wird gesungen und gejubelt und wir kriegen ein Stück vom Geburtstagskuchen und lecker Nepali Food. Da sind die Strapazen von der abenteuerlichen Fahrt fast vergessen. Happy und kaputt fallen wir ins Bett.

Namasthe Kathmandu

Yeay! Wir sind daaaaa!!!

Nach unseren zwei entspannten Flügen (im zweiten von Abu Dhabi nach Kathmandu waren nur Nepalis und Trekker im Flieger) sind wir gut und sicher, aber ziemlich geschafft am Kathmandu Airport angekommen. Wow, da konnten wir gleich mal Nepalfeeling schnuppern, ich war noch nie auf so einem abgfuckten, chaotischen Flughafen an dem man sich seine Rucksäcke und Koffer auf einem riesigen Haufen am Boden neben der Baggage Claim suchen konnte. Aber wir haben sie gefunden und wurden herzlich von einem süßen Welpen und super lieben Nepalis in unserem Hostel mit Everest Beer und Momos (gefüllte Teigtaschen – ein Nationalgericht hier) empfangen. Glücklich fielen wir dann in unser Bett, endlich sind wir hier und unser Abenteuer ist nun wirklich Realität. 🙂

Nach einem super leckeren Frühstück, machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg nach Thamel (Backpackerviertel in Kathmandu) unsere ersten Eindrücke von dieser chaotischen, quirrligen Stadt aufsaugen. Die Straßen sind staubig und dreckig, Müll liegt überall, es is bunt und laut, der Verkehr zischt kreuz und quer durch die Straßen, die Autos, Busse und Motorräder hupen, der Duft von leckeren Gewürzen, Räucherstäbchen und Streetfood wechselt sich ab mit Urin, Kanal und verbranntem Plastik. Überall schlafen Straßenhunde in der Mittagshitze. Wir lassen uns treiben und versuchen nicht bei jedem Shop gleich schwach zu werden, das Angebot von Trekkingzubehör, Klamotten, Gewürzen, Taschen und Schmuck lässt unsere Herzen schon am ersten Tag höher schlagen. Also lieber weg von dem Trouble zum Durbar Square, das Tempelviertel in Kathmandu. Dort angekommen, merken wir dass hier noch viel vom Erdbeben 2015 zerstört ist. Einige Tempel sind mit Bambus eingerüstet und Sperrzone, andere schon restauriert und manche hat es wie durch ein Wunder nicht getroffen. Wir gehen von Tempel zu Tempel und bewundern die alten Bauwerke und die Nepali Frauen in ihren bunten Saris. Am Weg zurück nach Thamel kommen wir durch Märkte, an denen Obst, Früchte, Gemüse, Fisch und Fleisch auf offener Straße angeboten werden… der Fischgestank steigt uns in die Nase, aber das nächste Räucherstäbchen lässt nicht lange auf sich warten. Wir flüchten aus dem Chaos auf ein Rooftop Restaurant und genießen die atemberaubende Aussicht über die Stadt und die angrenzenden Berge. Beim Rückweg zum Hostel kommen wir noch an einem anderen Tempel vorbei: Kaathe Swyambhu Shee, dort fragt mich eine Schar Kinder nach meinem Namen und dann schrien sie: „Linn buy me icecream okay???“ Garnicht so einfach den süßen Kulleraugen zu widerstehen.

Abends im Hostel angekommen erfahren wir, dass wir unser Zimmer nicht verlängern können „all fully booked“. Deshalb entscheiden wir, gleich am nächsten Tag um 6 Uhr mit dem Bus 9 Stunden über die Berge nach Pokhara zu fahren. Aber zu dieser abenteuerlichen Fahrt, später mehr 🙂

Wir sind gut in Nepal angekommen, dieses Land hat uns jetzt schon verzaubert und uns geht es bestens 🙂

Linn und Laurent auf Reisen