Ein Jahr später…

Heute ist der 2. Oktober 2018. Heute vor einem Jahr haben wir uns auf den Weg zum Flughafen nach München gemacht. Unsere Freunde Martin und Tanja haben uns gefahren. Es war ein kühler aber sonniger Herbsttag. Meine Mama hat uns noch etwas leckeres gekocht und wir saßen draußen vorm Haus in der Sonne. Ich weiß noch ganz genau wie nervös ich war, es war so ein unwirkliches Gefühl, das man kaum aushalten kann. Ich wollte nicht mehr nachdenken (ich wusste ja, alles ist gut organisiert, der Rucksack ist gepackt), ich wollte mich nicht mehr verabschieden (wir hatten so viele Abschiede die letzten Tage), ich wollte jetzt einfach los. Einfach weg.

Schräg, dass dieser Tag jetzt ein ganzes Jahr her ist. Ich erinnere mich noch so genau daran. In diesem einem Jahr ist so unglaublich viel passiert. Und trotzdem vergeht ein Jahr so schnell.

Erster Sonnenaufgang back home.

Das Heimkommen war wie erwartet nicht so einfach. Nach einer so langen und so intensiven Zeit weit weg von zu Hause, in ganz anderen Welten, wieder zurück ins alte Leben zu finden war eine Herausforderung für uns. Die ersten Wochen waren noch aufregend und mit ganz vielen Welcome-Home Partys und Wiedersehen erfüllt. Aber so richtig wieder Ankommen hat Monate gedauert. Sich in der eigentlich gewohnten, aber vergessenen Lebenswelt wieder zurecht zu finden geht eigentlich relativ schnell, aber seinen Platz wieder zu finden hat lange gedauert. Einfach zurück an den Punkt wo man gestartet ist, geht nicht mehr. Wir haben uns verändert, unsere Bedürfnisse, Wünsche und Träume haben sich verändert. Ich war lange in einer Art Zwischenwelt, nicht mehr unterwegs, nicht mehr in diesem aufregenden Projekt, aber auch noch nicht Zuhause angekommen und noch nicht in einem Neuen Projekt. Mir fehlten die Ziele, … die Träume.

Ich schwelge in Erinnerungen… diese drei Monate auf Reisen waren sehr prägend für uns. Eine wundervolle, aufregende und spannende Zeit, in der wir uns selbst ein Stückchen besser kennen lernen durften.

Ich habe während der Reise ein kleines Büchlein geschrieben. In dem ich meine Gedanken festhielt und ein bisschen Tagebuch schrieb. Das habe ich gerade wieder rausgekramt. Oft habe ich nicht rein gesehen, seit wir wieder Zuhause sind. Es ist sogar schon etwas verstaubt. In dem Buch gibt es eine Seite die heißt „Ideen für den Alltag“. Ich muss schmunzeln wenn ich das lese. Fast alle der Punkte habe ich tatsächlich umgesetzt, aber irgendwie gar nicht so bewusst. Irgendwie ist viel von ganz alleine passiert.

Mehr Yoga und Meditieren ist da ein Punkt. Das habe ich nicht umgesetzt. Wieso auch immer, ich hab immer noch die Sehnsucht danach und denke mir, ach das sollte ich jetzt wirklich wieder öfter tun. Und doch passiert es nicht..

Nicht mehr Rauchen in der Wohnung ist auch ein Punkt. Den haben wir umgesetzt und es fühlt sich sehr gut an.

Mehr Tee trinken und geile Säfte selber pressen – nö, nix passiert.

Mehr basteln und Makramee knüpfen. Geknüpft hab ich zwar lang nicht mehr, aber meine kreative Ader lass ich dennoch oft raus. Das macht mir Spaß und tut sooo gut. Wir haben ja tatsächlich unsere ganze Wohnung total umgestellt und umdekoriert als wir heim kamen. In der Wohnung toben wir uns immer wieder aus mit unseren Kreativitätsschüben.

Mehr Lesen. Auf unserer Reise haben wir ja sehr viel gelesen. Im Alltag komm ich da irgendwie nie dazu. Auch das finde ich so schade und denk mir das eh schon so lange, lieber öfter den Fernseher aus zu lassen und stattdessen ein Buch zu lesen. Trotzdem passiert es nie. Ich habe zwar viel für die Uni gelesen dieses Jahr… aber ich liebe gute Romane und in einer Geschichte zu versinken. Der Punkt bleibt wohl so wie das Yoga und Meditieren weiterhin auf der To-Do-Liste.

Viel Lernen. Auf die Uni konzentrieren war auch ein Punkt auf der Liste und den habe ich wirklich voll durchgezogen dieses Jahr. Gleich nach unserer Rückkehr habe ich mit der Vorbereitung für eine große Prüfung begonnen und dann zog sich das durch bist jetzt. Zwei große Prüfungen auf meiner Fernuni bestanden und das Semester auf der JKU abgeschlossen. Ich liebe mein Studium, auch wenn es in Prüfungszeiten oft hart ist, es macht wirklich Spaß, ist interessant und super abwechslungsreich. Schade, dass es nun bald vorbei ist.

Viel Spazieren gehen. Ha! Jap, das haben wir wohl so richtig gut umgesetzt. Wir haben uns Ende Juni den Traum von einem kleinen vierbeinigen Wegbegleiter erfüllt. Mika ist nun seit 3 Monaten bei uns und wir sind durch ihn ja täglich viel draußen, gehen täglich spazieren, immer an der frischen Luft, bei Wind und Wetter.

Mit Diana treffen und über Thema „eigener Hund“ sprechen, steht auch auf der Liste. Diana ist eine Hundetrainerin die ich schon lange kenne und der ich sehr vertraue. Sie hat uns bei unserem Projekt HUND von Tag 1 bis jetzt begleitet. Da bekomme ich fast Gänsehaut wenn ich dran denke, wie das war als ich diesen Satz, diese Idee, in das Büchlein schrieb. „Mal mit Diana quatschen“ …. und jetzt ist dieser Traum wirklich wahr. Mika macht uns so unglaublich glücklich, jeden Tag. So schön, dass wir uns gefunden haben, kleiner Mika!

 

Mehr selber machen. Säfte, Marmelade, etc. steht auch auf der Liste. Ja, da haben wir auch einiges gemacht, von Unmengen an Bärlauchpesto im Frühling, Erdbeere-Minze-Marmelade, Brombeer-Himbeere-Holler-Marmelade, selbst eingelegte Rum Zwetschken, selbst gesammelte Steinpilze getrocknet, … usw. Dieses Jahr hat uns ja alle reich beschenkt mit Früchten aller Art.

Es stehen noch einige Punkte auf der Liste, den Großteil haben wir wirklich umgesetzt, dass was nicht umgesetzt wurde, ist offensichtlich nicht so wichtig im Moment.

Ich spüre immer besser was ich brauche und was mir gut tut. Die richtige Balance zwischen Abenteuer & Action und Ruhe & Zeit für mich. Meine Bedürfnisse wahr nehmen, Grenzen setzen.

Da mein Bachelor bald abgeschlossen ist, ist die Zukunft gerade wieder etwas unsicher. Die Frage wie geht es danach weiter, hat mich ja auch schon auf der Reise sehr beschäftigt. Und auch in den letzten Wochen wieder sehr intensiv. So ganz sicher bin ich mir immer noch nicht. Ich kann mir sehr viel vorstellen aber bin mir sehr unsicher ob das alles machbar ist in dem Ausmaß wie ich das gern hätte. Aber ich habe einen Plan. Plan B so zu sagen. Falls noch was anderes, besseres kommt, bin ich offen, aber es gibt einen Plan für alle Fälle. Das gibt mir Sicherheit und vielleicht ist Plan B sogar doch insgeheim Plan A. Darauf Vertrauen, dass das Richtige schon kommen wird. Augen offen halten. Dann kommt es. Ganz sicher.

Das Thema Reisen lässt uns immer noch nicht ganz los. Laurent und ich haben an meinem Geburtstag im Mai einen spontanen Camping Trip nach Kroatien gemacht. Dort haben wir uns in den kleinen Mika verliebt. Er ist ein kleiner Mischling der in Kroatien im Feld gefunden wurde. Ein paar Wochen später ist Laurent mit Freunden noch mal hingefahren und hat ihn ein zweites mal dort im Tierheim besucht. Drei Monate später haben wir ihn zu uns geholt.

Ich hab Ende Mai einen Trip nach Lissabon gemacht mit meiner Schwester. Das Reisen, das Unterwegs sein, Neues entdecken, erfüllt uns immer noch sehr. Auch mit Hund möchten wir nächstes Jahr wieder ein paar Reisen machen.

Träume sind zum jagen da. Unseren Traum vom eigenen Hund leben wir gerade und es zeigt uns wiedermal, dass alles möglich ist, man muss nur wollen und sich trauen!

Wir sind gespannt wie es weiter geht, neue Träume sind schon im Kopf, viele Ideen, das Leben ist wundervoll!