Spice of Life – die Würze des Lebens

Heilige Kühe am Strand, Delfine im Meer und ein weißes Pferd im Sonnenuntergang. Kitschiger könnte es fast nicht mehr sein. Die letzte Woche verbringen wir in Agonda, ein ruhiger, fast einsamer Strand im Süden von Goa. Wir haben Glück und bekommen ein Upgrade in ein Beachhut direkt am Strand. Von unserer Terrasse aus können wir den Hunderudeln beim Revier verteidigen zusehen, den Kühen beim chillen, den Kälbchen beim spielen, den Stieren beim Kämpfen und den Delfinen beim spielen und jagen im Wasser. Ein Traum! 

Wir beobachten dieses Schauspiel stundenlang und finden es soo spannend, welche Dynamik entsteht, wenn Tiere wirklich frei leben können. Es ist so spannend zu sehen, dass die Stiere erst sobald es kühler ist, anfangen spielerisch zu kämpfen. Manchmal wirds auch ganz wild und sie drehen sich ganz schnell im Kreis, Kopf an Kopf. Wir stellen eine Schüssel Wasser bereit und bekommen somit regelmäßig Besuch von Kühen und Hunden die zu uns zum Trinken vorbei kommen. 

Ach wie herrlich kann das Leben sein? Auch wir lassen es uns gut gehen, die Cafés in Agonda sind wieder genau nach unserem Geschmack! 

Christmas is coming… als ich einmal am Weg zum Yogaresort war, sprachen mich zwei Inder an, mit Weihnachtsbaumschmuck in der Hand. Ganz aufgeregt fragten sie mich, ob ich wüsste wie man einen Christbaum dekoriert. Ob ich das schon mal gemacht hab? Ja klar!!! Wie funktionierts? Einfach auf den Baum hängen! Echt? Sie bitten mich ihnen zu helfen. Also steh ich nun da bei 35° und dekoriere mit zwei Indern einen Weihnachtsbaum. Wie schräg! Sie stellen mir ganz viele Fragen zu unserer Tradition in Österreich. Ich erzähle vom Nikolaus am 6. Dezember, dass wir als Kinder unsere Schuhe geputzt haben und vor die Tür stellten und am nächsten Tag eine Überraschung drinnen fanden. Vom Adventkranz, Christkindlmärkten und Glühwein (Hot Wine with Spices?? Können sie sich garnicht vorstellen). Vom Schlittenfahren, Schneeengeln, Schneemannbauen und Kekserlbacken. Meine Kindheitserinnerungen an die Weihnachtszeit sitzen so tief und idyllisch, dass ich diese Zeit einfach so sehr liebe. Vom Briefe schreiben an das Christkind. Ich erzähle ihnen, dass ich normalerweise den ganzen Dezember Geschenke bastel und diese Zeit besonders genieße um Kreativ zu sein und zu mir zu kommen. Ich erzähle vom Festmahl am 24. Dezember, vom Lieder singen und vom Großfamilien Besuch am 25. Dezember. Sie sind ganz begeistert, das hört sich alles sehr schön an für sie und es tut ihnen Leid, dass ich das heuer alles „verpasse“. Aber sie wissen den Grund: Weihnachten in einem anderen Land, mit anderen Traditionen, dass wird sicher auch spannend! ❤

Nachts lieg ich wach und kann nicht schlafen. Gedanken an Weihnachten und Zuhause kommen hoch und automatisch an meine liebe Oma, die nun auch das zweite mal nicht mehr dabei ist an Weihnachten. Zu ihren Lebzeiten hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut Weihnachten nicht dabei zu sein. Ich weiß ja wie viel ihr dieses Fest bedeutet und das die ganze Familie zusammen ist. Ich denk an sie und unsere besondere Beziehung die uns verbunden hat. Ihr Lachen… das so ansteckend war, dass sogar ihr Papagei Laura mitgelacht hat. Ich denk an die Zeit als ich noch klein war und viele Tage mit ihr verbracht hab, während meine Eltern arbeiten waren. Wie wir am Küchentisch saßen und ich gemalt hab und sie mich immer sooo gelobt hat „Linnea aus dir wird eine Künstlerin“. Oder ihre uralten Barbiepuppen mit selbstgenähten Kleidern. Ich erinner mich ans beten mit ihr. Ich seh sie vor mir wie sie durch den Garten wuselt und ihre duftenden Blumen pflegt. Wie sie am Herd steht, tropfend vor Schweiß und ein Festmahl für die Familie zaubert. Unsere Gespräche. Unsere Telefonate. Das Gefühl wenn sie ihre große Hand  auf meine kleine legte. Ich lieg im Bett und die Tränen kullern. Ich erinner mich an unser letztes Treffen. Sie sah so anders aus. Und sie begrüßte mich ganz aufgelöst mit dem Satz: „Linnea, jetzt hätten wir uns fast nicht mehr gesehen“. Sie wusste das sie sterben würde. An diesem Tag hab ichs zum ersten Mal gespürt. Ich ging raus in den Garten eine rauchen, und stellte mir zum ersten mal im Leben eine Welt ohne Oma vor. Ach Omi, ich vermiss dich so! Du bleibst nie vergessen! ❤

Wir genießen die Zeit hier in Agonda total, lesen viel und denken viel nach. Ich hab wieder zwei super spannende Bücher ausgelesen. „Notbremse nicht zu früh ziehen, eine Zugreise durch Indien“ und „Der goldene Sohn“ – ebenfalls eine Geschichte die in Indien spielt. So spannend die Erfahrungen von anderen Reisenden in diesem Land zu lesen, ich muss so oft schmunzeln, da wir ja ähnliche Erfahrungen machen. Der Verkehr, der so verrückt ist, die Überholmanöver die sich nur auf Millimeter ausgehen. Die Tatsache, das wir uns seit fast 3 Monaten im Auto nicht anschnallen können und die Helme für die Mopeds mehr Deko für die Polizei sind, als wirklicher Schutz. Diese Götterliebe der Hindus. Ich find das soo spannend, das sie sich ihren Lieblingsgott aussuchen können von den 100 verschiedenen Göttern. Das Thema Heirat, das sooo viel Gewicht hat in diesem Land. Das die Männer Angst haben vorm Verlassenwerden, das Kinder kriegen das höchste Gut ist in Indien. Das wir Westler immer das Gefühl haben wir müssten Indien „aufräumen“, im Geiste überlegen wie man ihnen eine Sensibilität für die Umwelt beibringen könnte. Und dann doch immer kläglich scheitern und merken man kann sich in Indien nur dann wohl fühlen, wenn wir die Gedanken von unserer „geordneten Welt“ außen vor lassen. Auch ich fühl irgendwie eine Art Hassliebe für dieses Land. Nach Nordindien dachte ich, das wars jetzt mit Indien, dieses Land sieht mich nie wieder. Und jetzt bin ich wieder so verzaubert von der Mystik, dass ich unbedingt wieder herkommen will. 

Wir machen einen Ausflug zu einer Spice Farm und bekommen eine super interessante Führung durch die duftende Gewürzplantage in der Kokosnuss, Vanille, Kardamom, Bettelnuss, Kaffee, Kakao, Pfeffer, Cashewnüsse, Kurkuma, Nelken, Zimt, Curry, Piri Piri Chilli (von den Portugiesen aus Afrika importiert) ….usw. angebaut werden. Die süße Inderin die uns alles erklärt und kosten und riechen lässt, erklärt auch die heilende Wirkung der einzelnen Pflanzen und gibt überall ein Rezept dazu. 

Pfeffer (zuerst grün, wenn länger gereift rot, wenn in der Sonne getrocknet schwarz und wenn gekocht und geschält, weiß) 

Kaffee

Bettelnuss 

Zimt

Nelken 

Kakao

Kurkuma

Curryblatt

Cashewbaum (Saison ist erst im März/April)

Vanille 


Piri Piri Chilli (eine der schärfsten Weltweit) 

Super spannend, was wir hier alles über den Anbau, die Wirkung und die Geschichte der Gewürze lernen dürfen. 

Wir besuchen auch die Elefanten der Farm, die früher mitgeholfen haben und heute nur als Touristenattraktion „funktionieren“. Einen Ritt oder ein Bad mit den faszinierenden Dickhäutern sparen wir uns, aber Hallo sagen muss sein! 

Am Heimweg entdecken wir noch eine wundervolle, einsame Bucht. 

Ach Goa, wie verzaubert du uns hast, mit deinen wunderbaren Menschen, dem atemberaubenden Dschungel, deinen Gewürzen und köstlichen Essen, den traumhaften Stränden und den ganzen vielen lieben Tieren. Und ich hab nun auch endlich die lang ersehnte „Erleuchtung“ erlangt… eine Idee für Master, Zukunft und neues Zuhause ist nun in der Luft und dieses Gefühl, mit einem neuen Traum zum jagen heimzukommen, befriedigt mich ungemein. 

Morgen geht unser Flieger nach Kerala, dort treffen wir am Samstag Laurent’s Mama Julia. Juhuu! Ein neues Kapitel kommt auf uns zu und wir freuen uns schon sehr. 

Byebye Goa – danke für alles. 

4 Kommentare zu „Spice of Life – die Würze des Lebens“

  1. Oh Linnéa,
    viele Tränen musste ich vergießen beim Lesen Deiner Erinnerungen an Oma. Soooo viel Liebe und Dankbarkeit!! Ich bin sicher, dass Du einige dieser Traditionen fortsetzen wirst und ich darf ja dann vielleicht auch mal so eine Oma für Deine Kinder sein 🙂
    Julia wird bald bei Euch sein und vielleicht ja auch einen Hauch von Weihnachten mitbringen. Genießt den letzten Abschnitt Eurer Reise!
    Alles Liebe, ich bin stolz, Dich als Tochter zu haben, Bussi Mum

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  2. Iiebe Lynn, lieber Laurenz, es ist so berührend und spannend eure Reiseberichte zu lesen. Ich wünsche euch ein ganz besonderes Weihnachtsfest in Indien. Alles Gute weiterhin
    Theresia

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  3. Liebe Linn, so viele Erlebniss, die ich mitverfolgen durfte, immer wieder sehr spannend und schön für mich 😍. Auch mir sind die Tränen herunter gekullert, wegen deiner Oma. Meine Oma ist nun schon 30 Jahre nicht mehr bei mir, aber kann voll mit dir mitfühlen, ging mir genau so und vermisse sie heute noch, wie so viele andere, die ich schon gehen lassen musste 😢, aber im Herzen und in den Erinnerungen sind sie immer bei uns ❤️.
    Schöne Reise noch mit Laurents Mama, schönes Weihnachtsfest habt ihr ja schon gehabt, dann noch einen tolles indisches Silvester 🎉💥. Alles Liebe Sieglinde

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