Eine super spannende Begegnung hatten wir beim Warten auf unseren Flug im Hostel in Mumbai. Wir lernten eine 62 jährige Grazerin kennen, die seit 37 Jahren in den Staaten, nähe Bosten lebt. Eine Seltenheit für uns mal Österreicher zu treffen und in diesem Fall ganz schräg, da sie trotz 37 Jahren USA, immer noch einen ganz markanten Ösi-Akzent hat. Sie erzählte uns, dass sie in Indien ist, weil sie zu einer Hochzeit eingeladen ist. Die Schwester ihrer Haushälterin aus Bosten heiratet in der Nähe von Mumbai. 4000 Menschen werden erwartet und die Hochzeit dauert eine ganze Woche lang. Offensichtlich eine Heirat der höheren Kasten. Ich fragte, ob das eine arrangierte Ehe ist. Sie erzählte uns, dass es zwar eine arrangierte Ehe ist, aber in den hohen Kasten, dürfen die „Kids“ schon mitbestimmen. Sobald sie ins heiratsfähige Alter kommen, wird ein Steckbrief gestaltet. Mit Foto, Alter, Gewicht, Hobbies, Talenten, Sternzeichen… etc. Dann sitzen die Mädchen mit ihren Familien und Freundinnen an Tisch und sehen sich die potentiellen Ehepartner durch. Die Braut darf bestimmen, der ist mir zu klein, zu dünn, zu dick, Sternzeichen Widder? Geht garnicht…doch lieber einen Fisch? haha die Vorstellung lässt uns schmunzeln. Die Braut in diesem Fall war anscheinend sehr wählerisch, da sie nun schon 28 ist bei ihrer Hochzeit, also für indische Verhältnisse schon sehr spät. Super spannend!! Wie gern wären wir auch bei der Hochzeit dabei, ist sicher ein Wahnsinnserlebnis! Wir gwatschen lange mit ihr über unsere Indien Erfahrungen und über Österreich. Wir zeigen ihr die Schnee Fotos die wir von Zuhause geschickt bekommen haben und sie erzählt uns, dass sie mal in Vöcklabruck gearbeitet hat. Wie klein die Welt doch ist! ❤
30 Minuten bevor unser Taxi zum Flughafen kommt, schreibt uns Laurent’s Tante Ko, dass sie gerade gelesen hat das ein Zyklon (tropischer Wirbelsturm im indischen Ozean) über Sri Lanka und Südindien wütet und schon viele Menschenleben gekostet hat und noch 100te vermisst werden. Wir googeln und sehen Satellitenbilder von einem großen kreisenden Hurricane der die Westküste Richtung Goa raufzieht. Oohhhh Gott und genau da fliegen wir jetzt hin. Panik macht sich breit. Was heißt das, Zyklon? Verursacht sowas Tsunamis? Überschwemmungen? Ist man da in einem Hostel sicher? Bei den Unterkünften in denen wir bis jetzt so untergebracht waren, wär ich mir da nicht so sicher… oft waren es ja nur Bambusgebäude mit Strohdach.. Naja, erstmal zum Flughafen und checken was die sagen, ob unser Flug überhaupt planmäßig durchgeführt werden kann.
Am Check In weiß die Dame nichts von einem Zyklon, der Flug hat Verspätung aber ist nicht gecancelt. Naja, wie immer bleibt uns nur das Vertrauen, dass alles gut gehen wird. Der Flughafen ist super edel und modern und wir sehen ganz viele superreiche Inder mit perfektem, akzentfreien Englisch. So schräg, dieser riesige Unterschied zwischen Arm und Reich in diesem Land.
Der Flug verlief auch ganz normal, bisschen wackelig aber auch nicht schlimmer, als das was wir schon kennen.
Angekommen in Goa um Mitternacht, beginnt das übliche Spiel mit dem finden eines passenden Taxifahrer. Alle drängen sich um uns und verlangen viiiel zu hohe Preise. Wenn ich sage, 2500 Rupie sind mir viel zu teuer, dann werd ich festgehalten „Listen, Madam…blablabla“. Ach, das ist immer so anstrengend und hart zu sehen in welchem Konkurrenzkampf sie untereinander stehen. Laurent findet einen der uns um 2000 fährt, naja billiger wirds wohl nicht mehr und das Argument mit Nachtzuschlag verstehen wir schon. Der Typ hat nicht die typische Taxikleidung und sagt „Follow me“ und läuft schnell davon. Wir mit den schweren Rucksäcken hinterher. Wir laufen ziemlich weit weg vom Flughafen und in einer finsteren Ecke sagt er dann: „Wait here“ und er verschwindet hinter einem parkenden Bus. Laurent und ich sehn uns an und schmunzeln darüber, wieviel Vertrauen wir oft in die Menschen haben. Der Typ ist ja offensichtlich kein offizieller Taxifahrer. Der könnte jetzt weiß Gott was mit uns machen. Nach 5 Minuten kommt er mit einem kleinen Suzuki vorgefahren. „Uhh nice car, I have the same one in Austria“ sagt Laurent. Wir steigen ein und fahren los. Der Typ telefoniert auf Hindi und ich bilde mir ein mal „Germany“ gehört zu haben. Plötzlich blinkt er rechts und fährt in eine Einfahrt. Oh oh… was denn jetzt? Achso nur tanken, okay. Haha. Er sagt uns, dass wir jetzt dann bei einer Stelle vorbei kommen, an der die Polizei kontrolliert und wir sollen sagen, das wir Freunde von ihm sind, sonst muss er Strafe zahlen. Klar, machen wir! Auch wenn wir so vielleicht unserem Entführer genau in die Karten spielen. Da er aber so eine liebe Ausstrahlung hat, vertrauen wir ihm einfach. Wir fahren 1.5 Stunden gemeinsam und haben soo interessante Gespräche. Er erzählt uns viel über die Geschichte von Goa, die Kolonialzeit von Briten und Portugiesen, die Zeit der europäischen Hippies, der Israelis und wie Scheiße jetzt alles ist, seit die Russen da sind. Er fragt auch ganz viel über uns, unser Land, Jobs, Regierungen…. erzählt von seiner Familie und seinem Leben. Diese Begegnungen sind es, die das Reisen für mich sooo spannend machen. Toller Typ und tolles Ankommen in Goa. Wir fühlen uns gleich total wohl.
Der Zyklon macht laut Prognosen wahrscheinlich einen Bogen um Goa. Was haben wir eigentlich für einen großen Schutzengel?
Die letzten Tage in Goa waren wieder total Seelenreinigend für uns. Suuuuper leckeres, günstiges Essen, gute Musik, viel Lesen (hab grad wieder ein tolles Buch ausgelesen: Traumfänger von Marlo Morgan, hat mich total berührt und zum nachdenken gebracht), Schachspielen, und ganz viiele tolle Gespräche. Wir reflektieren gerade viel über unsere Erlebnisse und unsere Beziehung. Und wir wollen noch lange nicht heim! Es ist so ein Glück, dass wir das Leben gerade so intensiv spüren dürfen und die Welt entdecken mit allen Höhen und Tiefen.
Wir mieten uns wieder ein Moped und fahren nach Arambol. Hier war ich vor fast 5 Jahren mit meiner Mum. Der einzige Ort in Goa der noch diesen authentischen Hippie Flair hat. Soooo schräg für mich wieder dort zu sein. Es hat sich viel verändert. Viel mehr Shops und Verkaufsstände. Mehr Restaurants und Massagestuben. Aber unser Appartement von damals gibts noch, nun unter anderen Namen und mit einem Cafe. Sooo steil, da kommen Erinnerungen hoch!
Auch den Süßwasser See am anderen Ende des Strandes gibts noch, mittlerweile mit mehr Restaurants und Sonnenliegen dort.
Wir machen uns auf den Weg in den Dschungel. Bei 37 Grad ganz schön herausfordernd. Mitten im Dschungel lebt dort ein Baba (Heiliger) unter einem riesigen Babyantree (ein großer Baum, dessen Äste wieder Wurzeln schlagen). Mum und ich haben ihn dort besucht damals. Den will ich Laurent unbedingt zeigen!
Den Baum gibts noch, nur Baba ist es mittlerweile ein Anderer. Der neue, junge Baba erzählt uns, dass der Alte ins Gefängnis kam und nun irgendwo in Nordindien lebt. Wir sitzen mit Baba, ein paar Indern, einer Hündin namens Sweetie und ganz vielen Russen im Kreis, ein Chillum wird durch die Runde gegeben und es werden russische Lieder gesungen. Was für ein Spaß!
Beim Rückweg kommen wir auch wieder bei dem heiligen Schlamm vorbei, mit dem Mama und ich uns damals eingerieben haben.
Update zum Zyklon: Mittlerweile ist er fast auf unserer Höhe, aber im Meer draußen.
Außer viel Wind, hohen Wellen und starken Überschwemmungen am Strand heute Nacht, die viel Hab und Gut mitgerissen haben, merken wir aber noch nicht viel vom Ockhi. Hoffentlich bleibts auch so.
































