Tee & Tempel – das bunte Indien

Nach unserem Trekkingabenteuer geht es früh morgens zu den Teeplantagen in Thekkady.

Julias Traum, einen Tiger zu streicheln, konnten wir ihr „leider“ nicht erfüllen in den Bergen, aber die Tigerspuren im Schlamm und die Kratzspuren in den Bäumen waren super beeindruckend, so nahe an einer so großen Raubkatze zu sein, ist ein wahnsinnig spannendes Gefühl. 

In Thekkady sehen wir gaaaanz viele Teepflanzen, super schöne Grüntöne und dazwischen Kokos- und Bananenpalmen, Pfeffer, Bettelnuss und viele andere Gewürze. Super schöne Kulisse! Wir besuchen eine Tea Factory und bekommen eine Führung durch die Plantage und die Fabrik. 


Wir erfahren super spannende Infos zur Teeproduduktion. Zum Beispiel, dass die Briten den Tee nach Indien brachten (aus China), der weiße Tee nur aus den frischen, ganz jungen Blättersprossen gemacht wird und nur in China produziert wird. Deshalb ist der weiße Tee auch so viel teurer. Generell werden nur die frischen, hellen Blätter für die Teeproduktion verwendet. Die Pflanzen können bis zu 100 Jahre alt werden, in China gibt es sogar 1000 Jahre alte Teepflanzen. Geerntet wird das ganze Jahr über, im Mai-April ist die ertragreicheste Zeit hier in Kerala. Zum Teetrocknen verwenden sie Holzfeuer, dass kommt sehr teuer aber Strom wäre noch teurer bzw zu unzuverlässig mit den ganzen Stromausfällen hier in Indien. Besonders spannend war auch das Tee zubereiten, zuerst kochen sie das Wasser, dann kommt der pulverisierte oder granulierte Schwarztee in den Topf, maximal 6 Minuten ziehen lassen, dann absieben und mit heißer Milch vermischen, erst ganz zum Schluss kommen die Gewürze dazu. Dann gießen sie eine Portion in eine Tasse und dann von einer Tasse in eine andere hin und her um Tee, Milch und Gewürze zu vermischen, die Milch zu „schäumen“ und den Tee etwas abzukühlen. 

Wir sind dort wieder ein ziemliches Magnet für die indischen Touristen und werden um einige Selfies und Fotos gebeten. 

Danach gehts weiter in den benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu. Unser Ziel ist Madurai, eine typische, riesige, dreckige, quirrlige, chaotische und bunte Stadt. Indien, so wie man es sich vorstellt. Hier gibt es einen großen Tempelkomplex, der 3. größte Tempel in ganz Indien ist hier zu finden. Nach einer langen, anstrengenden Fahrt, erreichen wir das chaotische Madurai. Wir essen in einem ganz einfachen, super billigen „Restaurant“ auf Bananenblättern und werden vom Kellner beim Essen direkt neben dem Tisch beobachtet. Weiße Gäste haben sie wohl nicht oft. Generell sehen wir in Madurai kaum Weiße. Uns wird auch noch erklärt, dass die Preise auf der Karte „old prices“ sind, wir also das doppelte zahlen. Haha. Im Endeffekt zahlen wir 2 Euro pro Gericht. 

Wir schlendern durch das quirrlige Tempelviertel und entdecken super bunte Stoffgeschäfte. Julia und ich fühlen uns wie im siebten Himmel. Soooo schöne Farben, Muster und Materialien. Und diese Auswahl! Wahnsinnig schön! 


Wir lassen uns indische Kleidung schneidern. Laurent ein Hemd und ich das Oberteil vom Panjabi. Julia auch wieder ein paar Panjabis (ein Dreiteiler aus Hose, langem Oberteil und Schal). Um 15 Euro einen auf mich geschneiderten Seiden-Baumwolle Panjabi mit goldener Borte – da kann man nicht nein sagen 😂

Abends bekommen wir noch die Zeremonie vorm Tempel mit. Hier wird Meenakshi (Frau von Shiva) bettfertig gemacht, die Statue wird aufwendig gewaschen, gekämmt, die Nase geputzt, zwischen durch wird ihr immer mal wieder der Spiegel vorgehalten… super lustig zum ansehen. Danach wird sie mit viel Tamtam und begleitet von einer geschmückten Kuh und einem Elefanten in den Tempel gebracht. Julia ist ganz gerührt von dem Hinduismus, den Tempeln, den Ritualen und Zeremonien… Laurent und ich, haben schon so viele Tempel gesehen, wir haben mittlerweile schon eine Überdosis Hinduismus abbekommen… für uns ist es mehr zum schmunzeln. 


Am nächsten Tag besichtigen wir den Königspalast. Beeindruckende Skulpturen und ein imposantes Gebäude. Für die indischen Besucher, waren wir jedoch viel interessanter, als der Palast. Wir machen um die 35 Selfies mit ihnen. Super süße Kindergruppen, Familien, Männer die mich bitten ihre Frauen in den Arm zu nehmen und uns zu fotografieren. Anfangs wahnsinnig entzückend, nach dem 20 Foto aber super nervig. Naja, nein sagen kann man ja auch nicht, wenn sie so wunderlich sind mit uns. 


Danach besichtigen wir die Tempel von Innen. Dresscode ist Schultern bedeckt und lange Hose. Laurents Hose wird nicht geduldet, er kommt nicht durch die Kontrolle. Aber Hilfe naht, ein Inder borgt ihm für 30 Rupie ( ca. 40 Cent) einen Lunghi (ein Tuch, dass hier die Männer als Rock tragen). So darf er nun rein. Er ist ziemlich sauer, Julia und ich lachen uns ins Fäustchen. 

 Sooo schön bunt die Tempel!!! Beeindruckend die alten Bauwerke und die ganzen Farben! 

Von Innen dürfen wir leider keine Fotos machen. Sehr mystische Stimmung und wieder viel lautes Tamtam. Es ist so schön zu sehen, wie Julia von dem Geschehen berührt ist. Sie könnte stundenlang in den Tempeln verweilen. Laurent und mir ist das wiedermal zu krass. So laut, so viele Menschen. Der Hinduismus ist uns einfach zu übertrieben,… wir setzten uns vor den Tempel, genießen die Stille und beobachten 100te von Streifenhörnchen die zwischen den Götterfiguren herum klettern. Madurai hat mich beeindruckt mit seinen Farben und den suuuuper lieben Menschen. Auch wenns anfangs nicht auf unserem Plan stand, wars nochmal ein richtiges eintauchen in das chaotische Indien. 

Am nächsten Tag gehts wieder früh morgens weiter nach Kanyakumari, immer noch Tamil Nadu – die Südspitze Indiens. Dort wurde Ghandis Asche im Meer vertreut. Hier fließen 3 Meere zusammen. 

Wir werden wieder viel beobachtet, heimlich fotografiert und die mutigen bitten wieder um Selfies. 

Der Sonnenuntergang bei den Felsen ist wunderschön. Das Meerwasser donnert gegen die Felsen und spritzt, sprudelt und schäumt. Wir sitzen auf den Felsen und beobachten die riesigen Wellen und den glühenden Feuerball. 

In Kanyakumari bekommen wir keine Unterkunft mehr… Weihnachten ist einfach eine schwierige Reisezeit, doppelt so teuer, viel ausgebucht, keine Driver verfügbar, … deshalb gehts nach dem Sonnenuntergang noch 85 km weiter nach Kovalam. Es ist die Hölle los auf den Straßen und wir kommen nur im Schneckentempo voran. 4 Stunden für 85 km. Thats India. Wir kommen an gefühlt 100 Kirchen vorbei mit lauten Gottesdiensten über Lautsprecher und super kitschiger Weihnachtsbeleuchtung. Alles glitzert, leuchtet und blinkt. Sooo schräg. So stellt man sich Indien nicht vor, aber dieses Land überrascht uns immer wieder. 

Sarees, Nationalpark und Christmas in Kerala

Die Anreise von Goa nach Kerala war wiedereinmal lange und schlaflos, nach 14 Stunden kommen wir gut, aber ziemlich kaputt in Cochin an. Cochin ist wieder ein ganz anderes Indien, als das was wir bis jetzt kennen. Für indische Verhältnisse sehr sauber, leise und fast geordnet. Kerala ist einer der reichsten und bestgebildesten Bundesstaaten in Indien. Wunderschöne, gepflegte, moderne Häuser im portugiesischen Stil. Kaum Kühe auf den Straßen. Die Menschen sind hier offensichtlich sehr viel wohlhabender als im Rest von Indien. Die Hafenstadt Cochin ist weltmarktführender Exporteur von Gewürzen. Es fühlt sich fast ein bisschen nach Europa an, Indien für Anfänger könnte man sagen. Nur Alkohol sucht man hier vergeblich (gibts nur in ganz seltenen Goverment Shops) und rauchen in der Öffentlichkeit ist verboten.

 

Am nächsten Tag kommt Laurents Mama Julia an! Glasige Augen und laanges drücken! Viel Zeit zum ausruhen vom Flug lassen wir ihr nicht, ihr Wunsch ist es in der kurzen gemeinsamen Zeit so viel wie möglich zu sehen und zu erleben. Also rein in ein Tuktuk und Sightseeing Tour. Unser Tuktuk Fahrer ist soooo ein niedlicher Typ! Er zeigt uns die tollsten Plätze und wir lachen so viel mit ihm! Wir dürfen in seinem Tuktuk rauchen (is ja „private property“) haha. Ein tolles Erlebnis war die Wäscherei, hier wird per Hand gewaschen und die Wäsche in der Sonne auf Kokosseilen zum Trocknen aufgehängt. Gebügelt wird mit elektrischen und kohlebeheizten Bügeleisen. 

Auch Tempel sehen wir einige, leider nur von außen, weil wir als nicht-Hindu nicht rein dürfen. 

Julia möchte unbedingt Saree shoppen, unser lieber Tuktuk Fahrer bringt uns zu einem Geheimtipp. Wir sitzen stundenlang da und bewundern die wundervollen Stoffe und Julia gibt eine große Bestellung auf an Sarees und Panjabis, die für sie geschneidert werden. 

Glücklich gehts weiter zum Gewürzmarkt, ein uraltes Gebäude „Ginger Palace“ in dessen Hof der Ingwer und andere Gewürze getrocknet wurden. 

Wir besuchen auch zwei Kirchen, eine davon ist die älteste Kirche in Indien.  Wir bekommen bisschen was vom Weihnachtsgottesdienst mit und fühlen uns sogar ein bisschen an Zuhause erinnert.  

Ein Highlight für uns war zum Sonnenuntergang die chinesischen Fischernetze zu bestaunen. Und die Cochiner beim frischen Fisch ersteigern zu beobachten. Beeindruckend wie hier gefeilscht wird und was für riesige Fische angepriesen werden. 

Am nächsten Tag (24. Dezember) gings dann früh los in die Berge nach Thekkady. Eine 8 stündige Fahrt durch eine beeindruckende Bergkulisse und wunderschöne Teefelder. Traumhaft!!! 

Am Weg kommen wir bei ganz vielen Rubber trees vorbei und schauen uns die Produktion von Kautschuk (Gummi) an. 

Und kosten am Weg einen Saft aus in Salz eingelegten Limetten. Viel Zucker, viel Salz… gewöhnungsbedürftig. 

Abends werden wir super rührend in unserem Guesthouse in Thekkady in den Bergen begrüßt! Unser Christmas Dinner sind sauscharfe Dosa. Ein salziger Fladen mit indischer Masala Füllung. 

Danach gibts Bescherung. Julia hat Geschenke vom österreichischen Christkind mitgebracht. Meine Eltern haben uns selbstgemachte Kekse, Frankfurter Würstel für’n Laurent und Rotwein geschickt und Laurents Tante Ko einen selbstgebastelten Christbaum. Wir sind soooo überrascht und gerührt. Beim Lesen der Weihnachtskarte kullern die Tränen. Soo soo lieb!!! Wir sitzen am Balkon, trinken Rotwein, essen Kekse, hören Weihnachtsmusik und singen „Oh Tannenbaum“. Ich fühl mich sooo gesegnet, übers WiFi flattern die ganzen Weihnachtswünsche zu uns. Sooo schön, hätte mir nicht gedacht, dass ich tatsächlich Weihnachtsgefühle haben werde. Außerdem ist es hier in den Bergen sogar ziemlich kalt, 18° abends – seit Nepal das erste mal wieder mit Leggin, Socken und Schal. Richtig authentisch weihnachtlich. Ach wie lieb ich doch meine Familie und Freunde alle hab!! Danke euch für alles!!! Und schön meinen Schatz und Julia hier zu haben, fühlt sich richtig familiär an❤

Am nächsten Tag machen wir eine 8 stündige Dschungel Safari Trekkingtour in einem Nationalpark mit Elefanten, Tiger, Leoparden, Bären, Affen, .. usw. Ein spannendes Erlebnis mit einer kleinen Gruppe und 3 Rangern, einer davon mit Gewähr. Am Weg dorthin sehen wir schon ganz viele Affenbanden die (absichtlich) vom Baum runter lullen, direkt auf uns. Ich bekomm eine Ladung voll ins Gesicht/Auge. Yeay! Bringt vielleicht Glück. Auf unserer Wanderung sehen wir Elefanten, Affen, riesige Eichhörnchen, Vögel, einen frischen Tiger Footprint im Schlamm, Tigerkratzspuren an Bäumen, Rehe, Wildschweine, Wilddogs … und eine wundervolle Naturkulisse und machen eine Bamboo Floßfahrt auf dem See. Anstrengend in der Hitze, aber super spannend. Ein Ranger erzählt mir und Laurent, dass schon 3 Ranger von Elefanten getötet wurden und zwei Touristen von einem Leopard und einem Bären angegriffen wurden. Gruselig! 

Abends kühlen wir uns noch im Pool ab, bevor es wieder (für uns) eisig kalt wird. Ein spannender Tag! 

Spice of Life – die Würze des Lebens

Heilige Kühe am Strand, Delfine im Meer und ein weißes Pferd im Sonnenuntergang. Kitschiger könnte es fast nicht mehr sein. Die letzte Woche verbringen wir in Agonda, ein ruhiger, fast einsamer Strand im Süden von Goa. Wir haben Glück und bekommen ein Upgrade in ein Beachhut direkt am Strand. Von unserer Terrasse aus können wir den Hunderudeln beim Revier verteidigen zusehen, den Kühen beim chillen, den Kälbchen beim spielen, den Stieren beim Kämpfen und den Delfinen beim spielen und jagen im Wasser. Ein Traum! 

Wir beobachten dieses Schauspiel stundenlang und finden es soo spannend, welche Dynamik entsteht, wenn Tiere wirklich frei leben können. Es ist so spannend zu sehen, dass die Stiere erst sobald es kühler ist, anfangen spielerisch zu kämpfen. Manchmal wirds auch ganz wild und sie drehen sich ganz schnell im Kreis, Kopf an Kopf. Wir stellen eine Schüssel Wasser bereit und bekommen somit regelmäßig Besuch von Kühen und Hunden die zu uns zum Trinken vorbei kommen. 

Ach wie herrlich kann das Leben sein? Auch wir lassen es uns gut gehen, die Cafés in Agonda sind wieder genau nach unserem Geschmack! 

Christmas is coming… als ich einmal am Weg zum Yogaresort war, sprachen mich zwei Inder an, mit Weihnachtsbaumschmuck in der Hand. Ganz aufgeregt fragten sie mich, ob ich wüsste wie man einen Christbaum dekoriert. Ob ich das schon mal gemacht hab? Ja klar!!! Wie funktionierts? Einfach auf den Baum hängen! Echt? Sie bitten mich ihnen zu helfen. Also steh ich nun da bei 35° und dekoriere mit zwei Indern einen Weihnachtsbaum. Wie schräg! Sie stellen mir ganz viele Fragen zu unserer Tradition in Österreich. Ich erzähle vom Nikolaus am 6. Dezember, dass wir als Kinder unsere Schuhe geputzt haben und vor die Tür stellten und am nächsten Tag eine Überraschung drinnen fanden. Vom Adventkranz, Christkindlmärkten und Glühwein (Hot Wine with Spices?? Können sie sich garnicht vorstellen). Vom Schlittenfahren, Schneeengeln, Schneemannbauen und Kekserlbacken. Meine Kindheitserinnerungen an die Weihnachtszeit sitzen so tief und idyllisch, dass ich diese Zeit einfach so sehr liebe. Vom Briefe schreiben an das Christkind. Ich erzähle ihnen, dass ich normalerweise den ganzen Dezember Geschenke bastel und diese Zeit besonders genieße um Kreativ zu sein und zu mir zu kommen. Ich erzähle vom Festmahl am 24. Dezember, vom Lieder singen und vom Großfamilien Besuch am 25. Dezember. Sie sind ganz begeistert, das hört sich alles sehr schön an für sie und es tut ihnen Leid, dass ich das heuer alles „verpasse“. Aber sie wissen den Grund: Weihnachten in einem anderen Land, mit anderen Traditionen, dass wird sicher auch spannend! ❤

Nachts lieg ich wach und kann nicht schlafen. Gedanken an Weihnachten und Zuhause kommen hoch und automatisch an meine liebe Oma, die nun auch das zweite mal nicht mehr dabei ist an Weihnachten. Zu ihren Lebzeiten hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut Weihnachten nicht dabei zu sein. Ich weiß ja wie viel ihr dieses Fest bedeutet und das die ganze Familie zusammen ist. Ich denk an sie und unsere besondere Beziehung die uns verbunden hat. Ihr Lachen… das so ansteckend war, dass sogar ihr Papagei Laura mitgelacht hat. Ich denk an die Zeit als ich noch klein war und viele Tage mit ihr verbracht hab, während meine Eltern arbeiten waren. Wie wir am Küchentisch saßen und ich gemalt hab und sie mich immer sooo gelobt hat „Linnea aus dir wird eine Künstlerin“. Oder ihre uralten Barbiepuppen mit selbstgenähten Kleidern. Ich erinner mich ans beten mit ihr. Ich seh sie vor mir wie sie durch den Garten wuselt und ihre duftenden Blumen pflegt. Wie sie am Herd steht, tropfend vor Schweiß und ein Festmahl für die Familie zaubert. Unsere Gespräche. Unsere Telefonate. Das Gefühl wenn sie ihre große Hand  auf meine kleine legte. Ich lieg im Bett und die Tränen kullern. Ich erinner mich an unser letztes Treffen. Sie sah so anders aus. Und sie begrüßte mich ganz aufgelöst mit dem Satz: „Linnea, jetzt hätten wir uns fast nicht mehr gesehen“. Sie wusste das sie sterben würde. An diesem Tag hab ichs zum ersten Mal gespürt. Ich ging raus in den Garten eine rauchen, und stellte mir zum ersten mal im Leben eine Welt ohne Oma vor. Ach Omi, ich vermiss dich so! Du bleibst nie vergessen! ❤

Wir genießen die Zeit hier in Agonda total, lesen viel und denken viel nach. Ich hab wieder zwei super spannende Bücher ausgelesen. „Notbremse nicht zu früh ziehen, eine Zugreise durch Indien“ und „Der goldene Sohn“ – ebenfalls eine Geschichte die in Indien spielt. So spannend die Erfahrungen von anderen Reisenden in diesem Land zu lesen, ich muss so oft schmunzeln, da wir ja ähnliche Erfahrungen machen. Der Verkehr, der so verrückt ist, die Überholmanöver die sich nur auf Millimeter ausgehen. Die Tatsache, das wir uns seit fast 3 Monaten im Auto nicht anschnallen können und die Helme für die Mopeds mehr Deko für die Polizei sind, als wirklicher Schutz. Diese Götterliebe der Hindus. Ich find das soo spannend, das sie sich ihren Lieblingsgott aussuchen können von den 100 verschiedenen Göttern. Das Thema Heirat, das sooo viel Gewicht hat in diesem Land. Das die Männer Angst haben vorm Verlassenwerden, das Kinder kriegen das höchste Gut ist in Indien. Das wir Westler immer das Gefühl haben wir müssten Indien „aufräumen“, im Geiste überlegen wie man ihnen eine Sensibilität für die Umwelt beibringen könnte. Und dann doch immer kläglich scheitern und merken man kann sich in Indien nur dann wohl fühlen, wenn wir die Gedanken von unserer „geordneten Welt“ außen vor lassen. Auch ich fühl irgendwie eine Art Hassliebe für dieses Land. Nach Nordindien dachte ich, das wars jetzt mit Indien, dieses Land sieht mich nie wieder. Und jetzt bin ich wieder so verzaubert von der Mystik, dass ich unbedingt wieder herkommen will. 

Wir machen einen Ausflug zu einer Spice Farm und bekommen eine super interessante Führung durch die duftende Gewürzplantage in der Kokosnuss, Vanille, Kardamom, Bettelnuss, Kaffee, Kakao, Pfeffer, Cashewnüsse, Kurkuma, Nelken, Zimt, Curry, Piri Piri Chilli (von den Portugiesen aus Afrika importiert) ….usw. angebaut werden. Die süße Inderin die uns alles erklärt und kosten und riechen lässt, erklärt auch die heilende Wirkung der einzelnen Pflanzen und gibt überall ein Rezept dazu. 

Pfeffer (zuerst grün, wenn länger gereift rot, wenn in der Sonne getrocknet schwarz und wenn gekocht und geschält, weiß) 

Kaffee

Bettelnuss 

Zimt

Nelken 

Kakao

Kurkuma

Curryblatt

Cashewbaum (Saison ist erst im März/April)

Vanille 


Piri Piri Chilli (eine der schärfsten Weltweit) 

Super spannend, was wir hier alles über den Anbau, die Wirkung und die Geschichte der Gewürze lernen dürfen. 

Wir besuchen auch die Elefanten der Farm, die früher mitgeholfen haben und heute nur als Touristenattraktion „funktionieren“. Einen Ritt oder ein Bad mit den faszinierenden Dickhäutern sparen wir uns, aber Hallo sagen muss sein! 

Am Heimweg entdecken wir noch eine wundervolle, einsame Bucht. 

Ach Goa, wie verzaubert du uns hast, mit deinen wunderbaren Menschen, dem atemberaubenden Dschungel, deinen Gewürzen und köstlichen Essen, den traumhaften Stränden und den ganzen vielen lieben Tieren. Und ich hab nun auch endlich die lang ersehnte „Erleuchtung“ erlangt… eine Idee für Master, Zukunft und neues Zuhause ist nun in der Luft und dieses Gefühl, mit einem neuen Traum zum jagen heimzukommen, befriedigt mich ungemein. 

Morgen geht unser Flieger nach Kerala, dort treffen wir am Samstag Laurent’s Mama Julia. Juhuu! Ein neues Kapitel kommt auf uns zu und wir freuen uns schon sehr. 

Byebye Goa – danke für alles. 

Wild & Free 

Früh morgens machen wir uns auf den Weg von Arambol ganz im Norden, nach Palolem ganz im Süden. 4 Stunden dauert die Fahrt, einmal durch ganz Goa. Wir fahren vorbei an tropischen Palmen und Dschungel, kleinen Dörfern, Flüssen, Kirchen, Tempel und portugisischen Villen, Plastikbergen, Dreck und gaaaanz vielen Kühen, Schweine und Hunden auf der Straße.

Palolem ist laut Reiseführer der schönste Strand in ganz Goa mit den schönsten Sonnenuntergängen. Mittlerweile haben wir ja schon einen guten Überblick über den kleinsten Bundesstaat Indiens und können das nur bestätigen. Es ist sooo schön hier! ❤ Auch mit meiner Mum hab ich Palolem bei unserer letzten Indienreise besucht und ich finds noch viel schöner wie damals! Klar, es ist mehr bebaut, aber dafür gibts super schöne kleine Cafés mit soo leckerem frischen, gesunden Essen! Und trotzdem gibt es auch noch ganz viel unberührte Natur. Wir sind wirklich soo begeistert, mit wieviel Liebe zum Detail hier die Cafés und Restaurants arbeiten. Wir genießen die Geschmacksexplosionen und testen uns durch das Essen. Vegan, Vegetarisch, Frisch, Biologisch, Gesund. LECKER! Wir haben eine Regel festgelegt am Beginn unserer Reise: nie zweimal ins gleiche Restaurant. Egal wie lecker es dort war, lieber noch was neues ausprobieren! Mittlerweile haben wir die Regel auf „nie das gleiche Gericht“ geändert um die Speisekarten voll auskosten zu können. Haha

Palolem hat auch noch einen wilden, ursprünglichen Strandabschnitt, den finden wir bei einem unserer Strandspaziergänge. 

Krebse zeichnen Muster in den Sand. Wellen hinterlassen ihre Spuren. 

Und wir finden gaaaaanz viele wundervolle Muscheln mit tollen Mustern! ❤

Ach und die lieben Hundis immer. Wie als würden wir sie magisch anziehen (oder sie uns?) tummeln sich täglich ganz viele liebe Seelchen um uns. Sooo lieb, wir verlieben uns ständig in die kleinen Schmuser und die Sehnsucht nach einem Eigenen wird immer immer Größer. Mittlerweile sind wir es schon so gewohnt, immer einen Hund bei uns liegen zu haben, das wir schon oft daran gedacht haben einen zu adoptieren. 

Aber nach ein bisschen Recherche, haben wir festgestellt, dass sich das für uns zeitlich nicht ausgeht. Wenn man einen ausländischen Hund in Österreich einführen will, muss der gechipt, entwurmt und geimpft werden und dann muss man noch ein Monat warten bis man einreisen darf. Also wird das leider nix. Aber der Gedanke verfestigt sich immer mehr, wir werden uns Zuhause mit dem Thema weiter beschäftigen, es gibt auch in Europa genug verlorene Seelen die es verdient haben geliebt, gefüttert (und entwurmt) zu werden. 

Uns gehts soooo gut gerade. Wir sind so in unserer Mitte und genießen die Zeit hier sehr. Den eigentliche Plan, in unserer Zeit in Goa einen Abstecher nach Hampi zu machen,  haben wir geändert. Lange indische Busfahrten, anstrengende Zugfahrten und religiöse Stätten hatten wir genug auf unserer Reise und dort hat es gerade 40 Grad. Da reichen uns die 35-37° an der Küste schon völlig. Es hat mich einiges an Überwindung gekostet auf Hampi zu verzichten. Aber ich hab einfach auf mein Herz gehört, was oft garnicht so leicht ist, und es war die richtige Entscheidung. Goa hat soooo viel zu bieten und zu erkunden, schön, dass wir soviel Zeit hier haben. 

Wir machen wiedermal eine Moped Spritztour! Die Straßen hier sind relativ gut, so können wir wirklich fetzen und es macht soooo Spaß!!! Es erinnert mich total an meine Jugendzeit, da war das Mopedfahren der Inbegriff von Freiheit. Die warme Luft die einem entgegen bläst… so ein wundervolles Freiheitsgefühl.  ❤

Wir fahren zu einem Nationalpark hier in der Nähe. Ein Wildlife Sanctury mit Leoparden, schwarzen Panther, Bären, Wildschweinen, Affen, Schlangen, Spinnen, Schmetterlingen… und und und. 

Wir bezahlen ein paar Rupie beim Eingang und dürfen mit unseren Mopeds in das Gelände. Der einzige Rat von der Dame am Eingang: bleibt auf den Wegen, immer am Boden sehen wegen Schlangen und wenn ihr ein (dangerous) Tier seht, stehen bleiben und Abstand halten. Aha! Tolle Safari, wenn ich da an unsere Erfahrungen in Südafrika denke, wo man angeschrien wurde wenn man sich nur aus dem Fenster des Wagens gebeugt hat… dann ist das hier ja Abenteuer pur. Die Scheissen sich halt nix, die Inder. 

Wir sind die einzigen Touristen in dem Park, nein eigentlich sogar fast die einzigen Menschen weit und breit. 4x kommen uns andere Mopeds entgegen, das wars. Ganz schön unheimlich… im Gebüsch raschelt es, Affen springen über uns in den Bäumen. Es duftet und es ist soooo schön so tief im Dschungel. Aber auch unheimlich, wir fahren immer tiefer in den Dschungel rein, die Luft wird immer feuchter und dicker, der Weg immer schwieriger, aber mittlerweile sind wir ja schon geübt mit den Mopeds über Stock und Stein zu heizen. 

Irgendwann befinden wir uns bei einer Sackgasse. Ein Wasserloch an dem gerade ein Dschungelvolk arbeitet. Sie sehen uns an, als hätten sie noch nie Weiße gesehen. Wir haben gelesen, dass in den Nationalparks noch kleine indogene Völker leben.  

Moskitoooooos 

Ein Wahnsinnsabenteuer wieder mal. Wunderschöne Natur aber immer mit dem Bewusstsein vielleicht gleich einen Panther im Genick zu haben. Oder einen Schlangenzahn im Bein. Ein Wechselbad der Gefühle!!! 

Am Rückweg treffen wir noch auf eine plastikfressende Kuhherde mit Affe im Hintergrund. Was für ein Bild! 

Abends sitzen wir bei einem Kingfisher Beer und reflektieren das erlebte, ganz realisiert haben wir es noch nicht, dass wir da wirklich wieder unversehrt rauskamen. Da kommt ein kleiner Stier vorbei und bettelt um Abendessen. 

Sooo süß, der Blick! Ich darf ihn mit Naan vom Vortag füttern, muss ihn dann aber mit einem Stock verscheuchen. Das ist das Ritual. That’s the job. 

Die Inder lachen mich aus, wie ich zaghaft mit dem Stock auf den Boden schlage „husch husch, aus die Maus“ …. da machen sie es doch lieber selbst. 😂

Children of the Universe

Okay, wir nehmen es zurück. Der Hippieflair ist noch nicht ganz ausgestorben in GOA. Hurray!!! 💕

 

Die letzten Tage verbrachten wir in Arambol. Hier ist wirklich noch der authentische Hippieflow zu finden. Auf der Marktstraße findet man ganz viele kleine Shops von Künstlern, Einheimischen und Travellern der ganzen Welt. Ein Shoppingparadies für uns. So viele bezaubernde, handgemachte Einzelstücke, wir sind ganz verzweifelt, da wir leider überhaupt keinen Platz im Rucksack haben, sonst könnte ich dort Kiloweise einkaufen! ❤ Was ich total schön finde, ist das man hier (und auch teilweise in den anderen Ländern die wir jetzt bereist haben) immer die Schuhe auszieht wenn man einen Shop betritt. Auch wenn die Füße oft nicht sauberer sind als die Schuhe, ist es ein Zeichen des Respekts. Wie lustig wäre es wenn man das bei uns auch machen würde. Beim Hofer die Schuhe draußen stehn lassen und Barfuß einkaufen gehen. 😂


Abends essen wir in einem Organic-Vegan-no alcohol-Healthy Restaurant. Super schöne Atmosphäre und super leckeres Essen ❤


Überraschenderweise entpuppt sich der Abend im Restaurant zu einem Open Mic Abend. Auf einmal kommen gaaaanz viele Menschen mit Gitarren und Trommeln, Alt-Hippies, Traveller, Gestrandete aller Nationalitäten, Kinder, Babys, Opas&Omas. Wir erleben einem super schönen Abend, jeder Künstler darf 2 Songs spielen und wir hören 10 verschiedene Artists. Von Covern, eigenen Songs und Freestyle war alles dabei. Ein ca. 80 Jähriger Hippieopa singt „i can’t go home, i can’t go home, India got my heart, India got my soul“. Ein anderer fordert uns auf alle mitzusingen „Loveeeee, Loveee“. Die Botschaften an diesem Abend gehen unter die Haut. Wir sind alle gleich, egal welche Hautfarbe oder Nationalität. Wir haben so einen wundervollen Planeten, den wir schützen müssen! Spread love out there!!! Wir singen zusammen und fühlen die Verbundenheit.

Wir haben auch wieder einige neue Freunde kennen gelernt hier. So schön wie herzlich wir hier aufgenommen werden. Wenn man sich zufällig auf der Straße wieder trifft, begrüßen wir uns wie alte Freunde. So schön ❤

Wir genießen die Zeit hier im Schatten. Lesen, hören Musik, trinken köstliche frische Fruchtshakes und lassen uns inspirieren. Ich kann stundenlang da sitzen, aufs Meer schaun und Nachdenken. Diese Stunden tun mir sooo gut. Wie inspirierend das für mich ist… jedes neue Buch bringt mich auf neue Ideen und bringt mich zum Nachdenken. Über mich, meine Stärken und Schwächen (da hab ich in den letzten Monaten ganz neue entdeckt), über mein Leben, an Zuhause. Wir merken wir haben Bammel nach Hause zu kommen um dort dann festzustellen, dass sich nichts verändert hat. Wir haben uns sooo verändert und sind so gereift die letzten Monate… da muss Zuhause auch Veränderung her! Die Vorstellung einfach so wieder ins alte Leben zu schlüpfen, geht garnicht!!! Unsere Renovierungsideen für unser Wohnzimmer sind schon ins Detail ausgefeilt. Es macht mir so Spaß mich dem kreativen Flow hinzugeben und alles aufzuschreiben was mir in den Sinn kommt. Ich hab mittlerweile eine ganz lange Liste an Kochinspirationen für Zuhause, eine Liste mit Dingen die ich Zuhause in meinem Alltag ändern will und Neues was ich integrieren will. Auf Reisen lebt man so viel bewusster als im Alltag. Dieses Gefühl von Freiheit und Ausgeglichenheit möchten wir unbedingt mit nach Hause nehmen und weiter leben. Seit 2.5 Monaten, schreibe ich jeden Abend die Highlights des Tages auf und plan was Schönes für den nächsten Tag. Das möchte ich Zuhause fortführen. So lebt man so viel bewusster und dankbarer. Die kleinen Dinge des Lebens schätzen. Ein Lächeln von einem Fremden. Ein kleiner Chocolatball. Ein Schluck Masalatee. Immer wieder Neues auszuprobieren. Ich bin eh generell ein Mensch, der ständig Neues ausprobieren muss. Das beflügelt so den Alltag wenn man immer wieder Neues ausprobiert, egal ob ein Rezept, eine neue Spazierrunde, ein neuer Sport, Musik, was Kreatives… if there is no change, there wouldn’t be butterflies.

Bei einem Spaziergang zu einem kleinen Tempel, kommt mir ein Sadhu entgegen und steuert genau auf mich zu. Nimmt meine Hand und streicht mit dem Finger über die Linien in meiner Handfläche und schaut mir intensiv in die Augen. „I can feel your energy“ Er strahlt mich an. „You have a really really strong, pure Energy“ „I like your energy, can you feel mine? Do you like my Energy?“ Ich bin ganz perplex und lüg ihn an, dass ich etwas Zeit brauche, bis ich spür ob ich eine Energie mag oder nicht. Das war gelogen, eigentlich hab ich von der ersten Sekunde gespürt das mir seine Energie viel zu steil ist. Wir plaudern ein bisschen und er erzählt uns viel von seinem Leben als Sadhu, Yoga und Meditationslehrer, seinen Reisen, er zeigt uns den Tempel und den dahinter liegenden Banyantree. Interessante Erfahrung, wir hinterlassen ein paar Worte und unsere Mailadresse in seinem Buch.

GOA – die Sonnenseite Indiens

Goa has changed. Das sehen und hören wir von allen Seiten. Das ehemalige Hippie Paradies war einmal… die Russen die hier überall anzutreffen sind, haben Goa den Hippieflair genommen. Auch wenn es immer noch versteckte Hippieplätze gibt und auch noch einige alternative Europäer und Israelis hier leben und urlauben…  das kreative, chillige, entspannte Goa aus den 60/70ern ist vorbei…. Wir haben in den letzten Tagen viele Menschen kennen gelernt und tolle interessante Gespräche geführt. Die Russen sind bei den Locals total unbeliebt. Aber wir bekommen von den Locals viel Liebe und ehrliche Interesse. Ich hab letztens mit einer Inderin am Markt geplaudert, nach ein paar Minuten fragte sie mich, wo ich herkomm, weil Russin bin ich bestimmt keine, das merkt sie sofort an meiner liebevollen Art. Schade für Goa und schade für die Locals die hier leben. Aber wir haben uns trotzdem in das bunte Goa verliebt. Die Menschen hier sind sooo lieb und wir haben so tolle, lustige Gespräche mit ihnen. Das indische Kopfwackeln, fällt uns hier ganz stark auf. Es gibt ganz viele verschiedene Arten wie sie mit dem Kopf wackeln und das hat auch ganz viele verschiedene Bedeutungen. Für uns immer ein bisschen verwirrend aber langsam haben wir den Dreh raus. Ich liebe die Architektur hier. Eine Mischung aus portugiesischen Fincas, bunten Hütten und indischen Häusern. Kirchen, Kapellen, Kreuze, Jesusstatuen, Hindu Tempel und Shivastatuen wechseln sich ab. Und sooo viele Palmen!!! Tropisch, bunt, freundlich… wirklich super schön! Klar, auch hier gibt es das übliche Müllproblem… aber wenn man sich so wohl fühlt, blendet man das irgendwie automatisch aus.

Die letzten Tage zog der Zyklon Ockhi an Goa vorbei. Shiva sei Dank nicht direkt über uns. Keiner wurde verletzt, aber die riesigen Wellen vom Zyklon und ein Supermoon (Vollmond der ganz nahe an der Erde ist) haben ganz starke Fluten ausgelöst, die am Strand die Hütten wegschwemmten. Die Menschen haben ihr ganzes Hab und Gut und ihre Existenz Quelle verloren. Wir lesen in der lokalen Zeitung, dass die Menschen am Strand total sauer sind, da sie keine Warnungen von der Regierung oder den lokalen Medien bekommen haben. Keiner wusste von dem Zyklon. Mittlerweile zog er über Mumbai mit starken Regengüssen und Wind und hat sich nun aufgelöst. Es ist vorbei.

Bei uns regnete es zwei Tage. Den ersten Tag verbrachten wir nur im Zimmer und uns fiel fast die Decke auf den Kopf. Nach über 2 Monaten, in denen sich unser Leben fast nur draußen, an der mal mehr mal weniger frischen Luft, abspielte, halten wir es in einem geschlossenen Raum nicht lange aus. 😂

Am zweiten Regentag borgten wir uns zwei Mopeds und fuhren zum Anjuna Market. Den größten Hippiemarkt in ganz Indien. Warum zwei Mopeds? Da wir zu zweit auf einem Roller immer zu streiten anfangen und mittlerweile fast jedesmal Verletzungen davon tragen, haben wir uns entschieden in Zukunft lieber getrennt zu fahren. 😂 Da fühlen wir uns sicherer. Haha

Der Verkehr hier ist eine echte Herausforderung. Linksverkehr. Die Straßen voller Sand, Schlaglöcher und Speedbreaks. Die Regeln sind eigentlich einfach. Wenn man überholt (geht übrigens von links und von rechts, das ist egal) , hupt man. Wenn man auf eine Kreuzung, in einen Kreisverkehr oder eine Kurve fährt, hupt man auch. Also eigentlich muss man die ganze Zeit den Daumen auf der Hupe haben und bei dem Hupkonzert mitwirken. Der Stärkere hat immer Vorrang, wer bremst verliert.


Am Markt regnet’s so stark, dass die meisten Shops geschlossen haben. Uns erinnert das ganze total an unsere Festivals. Es riecht nach Räucherstäbchen und Haschisch, Trance Musik dröhnt aus lauten Boxen, Gewürze, Schmuck, Kleidung, Tücher und Schals werden angepriesen. Wir lernen eine super liebe Iranerin kennen, die uns an ihrem Stand ihr selbst gemachtes Sandwich anbietet: „its the best Sandwich in India, it will change your life“. Wir bekommen ein Brötchen mit Erdäpfelkäse und Essiggurkerl. Mhhhhm das schmeckt nach Heimat!!! Wir hatten eine tolle Zeit dort am Markt und haben viele liebe Menschen kennen gelernt.

Am Heimweg platzte mein nur profesorisch geflickte Loch im Reifen auf und ich hatte einen Platten.

Aber die nächste Werkstatt war nicht weit und wir bekamen sofort Hilfe. Wie lieb sie doch sein können die Inder. Eine ganz andere Mentalität als die im Norden.

Und das Essen hier ist soooo der Wahnsinn!!! Sooo soo lecker!

Auch die Kühe auf der Straße sind nicht so aggressiv. In Nordindien hatten wir schon echt Bammel vor den kampflustigen Stieren. Hier sind sie viel entspannter.

Eine ganz besondere Begegnung hatten wir in meinem Tattoostudio, indem ich mein Reisetattoo finalisieren lassen habe. Die zwei indischen Brüder dort sind nicht nur wahnsinnig talentierte Künstler sondern auch sooo interessante, liebenswürdige Menschen. Wir verbrachten sooo eine schöne Zeit zusammen, lachten soo viel und hatten sooo tolle Gespräche. Wir wussten garnicht wer sich mehr über diese Begegnung gefreut hat, wir oder die Zwei. Seelen Connection. Wenn man das bei einer fremden Person ab der ersten Minute spürt, ist das ganz was besonderes. Solche Begegnungen hatten wir nun schon öfters auf unserer Reise und jedesmal ist es eine riesen Bereicherung für uns!

Spannende Begegnungen & Zyklon Ockhi 

Eine super spannende Begegnung hatten wir beim Warten auf unseren Flug im Hostel in Mumbai. Wir lernten eine 62 jährige Grazerin kennen, die seit 37 Jahren in den Staaten, nähe Bosten lebt. Eine Seltenheit für uns mal Österreicher zu treffen und in diesem Fall ganz schräg, da sie trotz 37 Jahren USA, immer noch einen ganz markanten Ösi-Akzent hat. Sie erzählte uns, dass sie in Indien ist, weil sie zu einer Hochzeit eingeladen ist. Die Schwester ihrer Haushälterin aus Bosten heiratet in der Nähe von Mumbai. 4000 Menschen werden erwartet und die Hochzeit dauert eine ganze Woche lang. Offensichtlich eine Heirat der höheren Kasten. Ich fragte, ob das eine arrangierte Ehe ist. Sie erzählte uns, dass es zwar eine arrangierte Ehe ist, aber in den hohen Kasten, dürfen die „Kids“ schon mitbestimmen. Sobald sie ins heiratsfähige Alter kommen, wird ein Steckbrief gestaltet. Mit Foto, Alter, Gewicht, Hobbies, Talenten, Sternzeichen… etc. Dann sitzen die Mädchen mit ihren Familien und Freundinnen an Tisch und sehen sich die potentiellen Ehepartner durch. Die Braut darf bestimmen, der ist mir zu klein, zu dünn, zu dick, Sternzeichen Widder? Geht garnicht…doch lieber einen Fisch? haha die Vorstellung lässt uns schmunzeln. Die Braut in diesem Fall war anscheinend sehr wählerisch, da sie nun schon 28 ist bei ihrer Hochzeit, also für indische Verhältnisse schon sehr spät. Super spannend!! Wie gern wären wir auch bei der Hochzeit dabei, ist sicher ein Wahnsinnserlebnis! Wir gwatschen lange mit ihr über unsere Indien Erfahrungen und über Österreich. Wir zeigen ihr die Schnee Fotos die wir von Zuhause geschickt bekommen haben und sie erzählt uns, dass sie mal in Vöcklabruck gearbeitet hat. Wie klein die Welt doch ist! ❤

30 Minuten bevor unser Taxi zum Flughafen kommt, schreibt uns Laurent’s Tante Ko, dass sie gerade gelesen hat das ein Zyklon (tropischer Wirbelsturm im indischen Ozean) über Sri Lanka und Südindien wütet und schon viele Menschenleben gekostet hat und noch 100te vermisst werden. Wir googeln und sehen Satellitenbilder von einem großen kreisenden Hurricane der die Westküste Richtung Goa raufzieht. Oohhhh Gott und genau da fliegen wir jetzt hin. Panik macht sich breit. Was heißt das, Zyklon? Verursacht sowas Tsunamis? Überschwemmungen? Ist man da in einem Hostel sicher? Bei den Unterkünften in denen wir bis jetzt so untergebracht waren, wär ich mir da nicht so sicher… oft waren es ja nur Bambusgebäude mit Strohdach.. Naja, erstmal zum Flughafen und checken was die sagen, ob unser Flug überhaupt planmäßig durchgeführt werden kann. 

Am Check In weiß die Dame nichts von einem Zyklon, der Flug hat Verspätung aber ist nicht gecancelt. Naja, wie immer bleibt uns nur das Vertrauen, dass alles gut gehen wird. Der Flughafen ist super edel und modern und wir sehen ganz viele superreiche Inder mit perfektem, akzentfreien Englisch. So schräg, dieser riesige Unterschied zwischen Arm und Reich in diesem Land. 

Der Flug verlief auch ganz normal, bisschen wackelig aber auch nicht schlimmer, als das was wir schon kennen.

Angekommen in Goa um Mitternacht, beginnt das übliche Spiel mit dem finden eines passenden Taxifahrer. Alle drängen sich um uns und verlangen viiiel zu hohe Preise. Wenn ich sage, 2500 Rupie sind mir viel zu teuer, dann werd ich festgehalten „Listen, Madam…blablabla“. Ach, das ist immer so anstrengend und hart zu sehen in welchem Konkurrenzkampf sie untereinander stehen. Laurent findet einen der uns um 2000 fährt, naja billiger wirds wohl nicht mehr und das Argument mit Nachtzuschlag verstehen wir schon. Der Typ hat nicht die typische Taxikleidung und sagt „Follow me“ und läuft schnell davon. Wir mit den schweren Rucksäcken hinterher. Wir laufen ziemlich weit weg vom Flughafen und in einer finsteren Ecke sagt er dann: „Wait here“ und er verschwindet hinter einem parkenden Bus. Laurent und ich sehn uns an und schmunzeln darüber, wieviel Vertrauen wir oft in die Menschen haben. Der Typ ist ja offensichtlich kein offizieller Taxifahrer. Der könnte jetzt weiß Gott was mit uns machen. Nach 5 Minuten kommt er mit einem kleinen Suzuki vorgefahren. „Uhh nice car, I have the same one in Austria“ sagt Laurent. Wir steigen ein und fahren los. Der Typ telefoniert auf Hindi und ich bilde mir ein mal „Germany“ gehört zu haben. Plötzlich blinkt er rechts und fährt in eine Einfahrt. Oh oh… was denn jetzt? Achso nur tanken, okay. Haha. Er sagt uns, dass wir jetzt dann bei einer Stelle vorbei kommen, an der die Polizei kontrolliert und wir sollen sagen, das wir Freunde von ihm sind, sonst muss er Strafe zahlen. Klar, machen wir! Auch wenn wir so vielleicht unserem Entführer genau in die Karten spielen. Da er aber so eine liebe Ausstrahlung hat, vertrauen wir ihm einfach. Wir fahren 1.5 Stunden gemeinsam und haben soo interessante Gespräche. Er erzählt uns viel über die Geschichte von Goa, die Kolonialzeit von Briten und Portugiesen, die Zeit der europäischen Hippies, der Israelis und wie Scheiße jetzt alles ist, seit die Russen da sind. Er fragt auch ganz viel über uns, unser Land, Jobs, Regierungen…. erzählt von seiner Familie und seinem Leben.  Diese Begegnungen sind es, die das Reisen für mich sooo spannend machen. Toller Typ und tolles Ankommen in Goa. Wir fühlen uns gleich total wohl. 

Der Zyklon macht laut Prognosen wahrscheinlich einen Bogen um Goa. Was haben wir eigentlich für einen großen Schutzengel? 

Die letzten Tage in Goa waren wieder total Seelenreinigend für uns. Suuuuper leckeres, günstiges Essen, gute Musik, viel Lesen (hab grad wieder ein tolles Buch ausgelesen: Traumfänger von Marlo Morgan, hat mich total berührt und zum nachdenken gebracht), Schachspielen, und ganz viiele tolle Gespräche. Wir reflektieren gerade viel über unsere Erlebnisse und unsere Beziehung. Und wir wollen noch lange nicht heim! Es ist so ein Glück, dass wir das Leben gerade so intensiv spüren dürfen und die Welt entdecken mit allen Höhen und Tiefen. 

Wir mieten uns wieder ein Moped und fahren nach Arambol. Hier war ich vor fast 5 Jahren mit meiner Mum. Der einzige Ort in Goa der noch diesen authentischen Hippie Flair hat. Soooo schräg für mich wieder dort zu sein. Es hat sich viel verändert. Viel mehr Shops und Verkaufsstände. Mehr Restaurants und Massagestuben. Aber unser Appartement von damals gibts noch, nun unter anderen Namen und mit einem Cafe. Sooo steil, da kommen Erinnerungen hoch! 

Auch den Süßwasser See am anderen Ende des Strandes gibts noch, mittlerweile mit mehr Restaurants und Sonnenliegen dort. 

Wir machen uns auf den Weg in den Dschungel. Bei 37 Grad ganz schön herausfordernd. Mitten im Dschungel lebt dort ein Baba (Heiliger) unter einem riesigen Babyantree (ein großer Baum, dessen Äste wieder Wurzeln schlagen). Mum und ich haben ihn dort besucht damals. Den will ich Laurent unbedingt zeigen!  

Den Baum gibts noch, nur Baba ist es mittlerweile ein Anderer. Der neue, junge Baba erzählt uns, dass der Alte ins Gefängnis kam und nun irgendwo in Nordindien lebt. Wir sitzen mit Baba, ein paar Indern, einer Hündin namens Sweetie und ganz vielen Russen im Kreis, ein Chillum wird durch die Runde gegeben und es werden russische Lieder gesungen. Was für ein Spaß! 

Beim Rückweg kommen wir auch wieder bei dem heiligen Schlamm vorbei, mit dem Mama und ich uns damals eingerieben haben. 

Update zum Zyklon: Mittlerweile ist er fast auf unserer Höhe, aber im Meer draußen. 

Außer viel Wind, hohen Wellen und starken Überschwemmungen am Strand heute Nacht, die viel Hab und Gut mitgerissen haben, merken wir aber noch nicht viel vom Ockhi. Hoffentlich bleibts auch so. 

Versöhnung mit Indien

Mein absoluter Lieblingsflughafen? Siam Reap Airport! Schon als wir hier ankamen, war ich total begeistert und auch beim Abflug verlief alles wie am Schnürchen. Der Flughafen ist super klein, sauber, modern, tolle Architektur, alles geht super schnell und unkompliziert. In den letzten Monaten haben wir schon viele Flughäfen gesehen, dieser ist unser absoluter Favorit! Unser erster Flug geht nach Kuala Lumpur, Malaysien mit Malaysian Airline. Klingelts da? Ja genau, das ist die Airline wo vor drei Jahren ein Flugzeug einfach verschwand. Auch nach der teuersten Suchaktion der Geschichte, ist es immer noch spurlos verschwunden. Ein komisches Gefühl in den Flieger einzusteigen, aber ja… wird schon gut gehen. 😀

In Kuala Lumpur müssen wir noch 3 Stunden auf den nächsten Flieger nach Mumbai warten. Mit uns am Gate warten schon ein Haufen Inder. Laurent kriegt die Krise. Was er am schlimmsten fand an Indien? Die unhöfliche, respektlose Art der Inder. Vordrängeln, ins Ohr schreien, ins Gesicht Husten, vor die Füße spucken… hier am Gate bekommen wir wieder einen „tollen Vorgeschmack“ was uns nun wieder erwartet. Ich muss lachen, meinen Schatz bringt ja selten was aus der Ruhe, keine Tschick rauchen können und unhöfliche Inder bringen ihn zur Weißglut. haha

Im Flieger haben wir drei Sitze für uns, herrlich. Und: es gibt Wein! Yeah! Seit 2 Monaten haben wir keinen Wein mehr getrunken. Den letzten gabs bei unserem allerersten Flug nach Kathmandu. Wein ist Mangelware in Asien und wenns mal einen gibt dann zu horrenden Preisen. Wir genießen die zwei Becher Weißwein und ich schau mir einen super schönen, traurigen Film an: „My sisters keeper“ (Empfehlung!! Unbedingt ansehen) – und heul mir die Augen aus. Mal so richtig ausheulen tut gut… plötzlich setzt sich ein großer, dicker Inder neben uns. Er ist soo mächtig, dass er 1.5 Sitze braucht… die restlichen Flugstunden sind wieder sehr ungemütlich und beengt. Als wir zur Landung ansetzen, schauen Laurent und ich aus dem Fenster. Unter uns glitzert Mumbai in der Nacht. Uuuuuunpackbar wie riesig diese Stadt ist. 12 mal so viele Einwohner wie Wien. Puuuhhh. Wir stoßen unsere Fäuste aneinander: Yesss wir haben den Flug überlebt, und sind nicht verschwunden. Da schaut uns der dicke Inder neben uns an und fragt: „First time in India?“ wir erzählen, dass es mein drittes Mal ist und Laurents zweites Mal. Er grinst uns an und sagt: „Welcome to India“.

Mumbais Flughafen ist ziemlich modern für indische Verhältnisse und hat super coole Kunst ausgestellt.

Um halb 1 Nachts kommen wir im Hostel an. Das Zimmer ist klein und stinkig. Die Luft ist total feucht und dick. Es riecht modrig und schimmlig… naja, es sind ja nur zwei Nächte. Total erledigt fliegen wir ins Bett und versuchen zu schlafen. Klappt leider nicht. Draußen liefern sich Katzen einen Kampf nach dem nächsten, die schreien so laut, dass nicht mal Ohropax helfen. (Am nächsten Tag sehen wir, dass die Katzen hier so groß sind wie Hunde! Das erklärt einiges…) Die schlechte, dicke Luft lässt uns auch nicht einschlafen… am nächsten Morgen wandel ich schlaflos runter zur Rezeption und frag ob wir Zimmer tauschen können, ich konnte die ganze Nacht nicht pennen! Leider sind alle Zimmer ausgebucht, als Trostpflaster bekommen wir einen Lavendel Raumspray. Laurent tüftelt an der Klimaanlage herum und findet einen Modus der „Dry“ heißt,… das bessert die Luft tatsächlich ein bisschen.

Wir gehen raus und machen uns auf die Suche nach Frühstück. Wir sind hier in einem Vorort bzw. Außenstadtteil von Mumbai „Santacruz“. Rein in die Stadt kommt man am schnellsten und günstigsten mit dem Zug, das dauert ca. eine Stunde, wenn alles glatt läuft. Dafür sind wir viel zu müde… außerdem hat Laurent keine Lust auf Großstadt Dschungel und schon garnicht indischen! Also erkunden wir hier mal die Gegend.

Die Straßen sind überraschend sauber, keiner starrt uns an, keine Kühe auf der Straße und das hupen hält sich auch in Grenzen. Wow, so sieht also das „moderne“ Indien aus. Santacruz ist hauptsächlich Wohngegend der Mittelklasse (wenns hier sowas überhaupt gibt), außerdem gibts hier eine Universität – wir sehen ganz viele Studenten bei Starbucks (oh ja das gibts hier, auch McDonald’s und KFC).

Mir gefällt, dass hier die Straßen so grün sind, erinnert mich an die Wohngegend in Rio, wo Carmen&Jucara wohnen die wir dort mal besucht haben.

Sieht halbwegs edel aus oder? Lustig, wenn dann doch wieder mal jemand auf der Straße sitzt und am Gehsteig rasiert wird oder die vielen Ratten bei uns vorbei huschen. Is halt doch immer noch Indien.

Die zweite Nacht verlief etwas besser, die Luft im Zimmer konnten wir von total stickig und Schimmelgeruch auf bisschen stickig und Moskitosprayduft verbessern. Hier gibts sooooo viele Mosquitos!! Und leider auch Malariagefahr, durch die Slums und Feuchtgebiete rund um Mumbai.

Am nächsten morgen, halbwegs ausgeschlafen, machen wir uns auf die Suche nach Coffee. Ich probiere den neuesten Trend: Golden Cappuccino. Ein Glitzer Kaffee.

Ahhh was wir nicht alles tun würden für guten Kaffee!!! Herrlich!!!

Da kann ich mich ja wirklich wieder halbwegs mit Indien versöhnen. Laurent ist weniger begeistert, er mag einfach keine Großstädte… und schon garnicht die indischen. Ja klar ist es hier besser als im Norden, aber richtig wohl fühlt er sich hier auch nicht. Ich versteh das.

Warum ich mich dennoch irgendwie versöhnt fühle mit Indien? Der deutsche Gründer der Schule in dem Dorf in Bihar, wo es mir so dreckig ging, hat sich bei mir gemeldet. Ich hatte ihm nach einer Woche Erholung und Reflexion eine lange Mail geschrieben. Ich wollte ihm einfach ein Feedback geben, damit er weiß welche Zustände in dem Hostel herrschen. Ich bekam bis jetzt keine Antwort. Über die Facebook Seite konnte ich ihn auch nicht mehr erreichen. Als ich mir vor ein paar Tagen mal die Zeit nahm, alle Hostels zu bewerten, schrieb ich ihnen dann doch ne ehrliche (und somit schlechte) Bewertung auf booking, das hast du davon wenn du mich ignorierst! Auf einmal meldet er sich bei mir! Anfangs war er sauer, warum ich ihn denn nicht privat kontaktiert habe…er hat mein Mail offensichtlich nie erhalten.. nach einigen Mails aber war er super verständnisvoll. Wir hatten wirklich tolle Gespräche per Mail und das tat  richtig gut. Im Endeffekt war er nun auch total dankbar über mein Feedback und hat mir erklärt warum das Thema Sauberkeit so so schwierig ist im Hostel. Zum Beispiel darf nur eine bestimmte Kaste Klo putzen, sonst werden sie von den anderem im Dorf beschimpft und bespuckt. Das erklärt einiges…. Diese tollen, interessanten und verständnisvollen (von beiden Seiten) Mails helfen mir, mit dem Kapitel Nordindien besser abzuschließen.

So, in ein paar Stunden gehts weiter nach Goa! Freu mich schon an die Orte zurück zu kehren, die ich mit meiner Mum vor 4.5 Jahren besucht hab. Heute ist der 1. Dezember, sooo komisch für uns. Auch hier sieht man ab und an Weihnachtsklimbim. Von Zuhause bekommen wir Schnee & Glühwein Fotos. Kommt uns total surreal vor.